Flughafenausbau : Pleiten, Pech und Pannen - auch in Wien

Der Bau des neuen Flughafenterminals in Wien zeigt, dass Schönefeld mit seinen Querelen keine Ausnahme ist. Aber am Ende sind die Besucher hochzufrieden.

von und Wien
Großzügig und komfortabel. Das neue Terminal in Wien. Für die Stadt geht ein Albtraum zu Ende.
Großzügig und komfortabel. Das neue Terminal in Wien. Für die Stadt geht ein Albtraum zu Ende.Foto: dapd

Das Beste sind die schwarzledernen Liegeinseln. Passagiere, die auf ihre Flüge warten, können sich hinlegen und ausruhen, viel bequemer als gekrümmt und gequetscht über drei Sitzplätze, wie man das sonst auf Flughäfen kennt. Nebenan freut sich die Laptop-Fraktion in gepolsterten Arbeitssesseln über das freie WLAN-Netz. Kinder hüpfen hin und her vor einer riesigen Videowand und steuern mit ihren Bewegungen die Figuren eines Videospiels. Dahinter gibt die gläserne Fassade den Blick frei auf das weite Vorfeld und die Startbahn. Wer als Fluggast im neuen, dritten Terminal des Wiener Flughafens ankommt, spürt nichts mehr von den ganzen Skandalen, die dieses Riesenprojekt begleitet haben.

Das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“ nannte das neue Wiener Schmuckstück jüngst ein Mahnmal beispielloser Misswirtschaft. Denn die Flughafen Wien AG hat ein Chaos hinter sich, das zeigt, dass die Querelen um Schönefeld keine Ausnahme bei einem Flughafenprojekt sind. Im Jahr 2000 begannen die Planungen für das Projekt Skylink, Grundsteinlegung war 2006. Zu diesem Zeitpunkt rechneten die Planer noch mit Kosten von 400 Millionen Euro und damit, den neuen Terminal 2008 in Betrieb nehmen zu können.

Bis zur Eröffnung dauerte es letztlich vier Jahre länger. Als die Kosten zwischenzeitlich zu explodieren drohten, stoppte der Flughafenbetreiber 2009 einfach mal die Bauarbeiten und begann, die Verträge mit Lieferanten und Partnern neu auszuhandeln. Plötzlich wurde bekannt, dass beim Projekt Skylink das Bauvergabegesetz außer Acht gelassen wurde. Bei einer gerichtlichen Beweissicherung fielen anschließend 3000 Baumängel auf. Das für die Bauaufsicht zuständige Unternehmen verlor seinen Auftrag, und auch das Management der Flughafen Wien AG wechselte – ganze drei Mal in der Bauphase von Skylink. Die Baukosten werden voraussichtlich bei 770 Millionen Euro liegen. Pleiten, Pech und Pannen – das verbinden die Österreicher mit Skylink.

Seit 5. Juni ist der neue Terminal nun in Betrieb, allerdings wurde er kurz zuvor noch umgetauft in „Check-In 3“, weil der Name Skylink nur negative Assoziationen weckt.

Dort werden nun 60 Prozent aller Fluggäste des Wiener Airports abgefertigt. 150 000 Quadratmeter beträgt die Fläche des neuen Terminals inklusive neuer Shops und Restaurants. Doch obwohl bei der Eröffnung alles rund lief und die Fluggäste die Funktionalität und moderne Atmosphäre des neuen Terminals schätzen, wird am Wiener Flughafen vorerst keine Ruhe einkehren. „Wir betreiben derzeit noch Vergangenheitsbewältigung“, sagt Flughafensprecher Peter Kleemann. Da die öffentliche Hand 40 Prozent der Aktien der Flughafengesellschaft hält, prüft gerade der österreichische Rechnungshof, ob bei Skylink Steuergelder verprasst wurden.

Auch die gerichtlichen Auseinandersetzungen mit verspäteten und schluderigen Baufirmen werden dauern. In mehreren Vergleichen hat die Wiener Flughafen AG immerhin bereits 21 Millionen Euro zurückerhalten.

Ein wirklicher Trost ist das allerdings nicht. Kleemann versucht, für Verständnis zu werben: „Solche Großprojekte sind schon unglaublich komplex.“ Daher fühle er jetzt auch mit den Berlinern mit. Mehr können die Wiener nicht tun. „Wir wären definitiv die Falschen, um jetzt Empfehlungen und Ratschläge zu geben.“

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