Flughafensicherheit : Flüssigkeiten im Handgepäck weiter verboten

An den rigiden Regeln zum Handgepäck im Flugverkehr wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Bisher haben sich Flüssigkeitsscanner, die das Verbot überflüssig machen würden, in Praxistests nicht bewährt. Und: Der Einbau solcher Geräte ist teuer - wie der BER-Flughafen zeigt.

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Flüssigkeitsscanner, die die strenge EU-Handgepäckregelung zur Mitführung von Flüssigkeiten überflüssig machen würden, haben sich in Praxistests nicht bewährt. Kotrollen würden länger dauern, auch die Fehlerquote sei hoch und die Geräte verschlängen viel Platz, sagen Sicherheitsexperten.
Flüssigkeitsscanner, die die strenge EU-Handgepäckregelung zur Mitführung von Flüssigkeiten überflüssig machen würden, haben sich...Foto: dpa

Flugreisende müssen auch in der laufenden Feriensaison auf die Mitnahme von Flüssigkeiten im Handgepäck weitgehend verzichten. Und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben. Aufgrund der massiven Bedenken von Sicherheitsbehörden und Flughafenbetreibern hat die EU-Kommission ihren Plan gestoppt, der vorsah, dass bis zum Frühjahr 2013 an allen europäischen Flughäfen Flüssigkeitsscanner eingeführt werden, die das Verbot überflüssig machen würden.

Das ist bereits der zweite Rückzieher, den die EU macht. Ursprünglich sollte die Regelung bereits im April 2011 gelockert werden. Jetzt will man sich nicht einmal mehr auf einen neuen Termin festlegen. Seit einem verhinderten Anschlag mit Flüssigsprengstoff am 26. August 2006 in London dürfen Fluggäste Flüssigkeiten, Cremes und Gels nur noch in Behältnissen mit maximal 100 Millilitern Fassungsvermögen mit an Bord von Flugzeugen nehmen. Diese müssen zur Kontrolle in einen durchsichtigen, wiederverschließbaren Plastikbeutel mit einem Volumen von höchstens einem Liter Inhalt verpackt sein. Die klassischen Röntgengeräte erkennen die Substanzen zwar, können aber nicht unterscheiden, ob diese gefährlich oder harmlos sind. Abhilfe sollten die Flüssigkeitsscanner bringen, die von der Industrie in vier Kategorien angeboten werden. Geräte vom Typ A können nur den Inhalt einzelner, geöffneter Behältnisse analysieren, während Typ B das auch durch geschlossene Deckel schafft. Typ-C-Scanner schaffen immerhin mehrere Behältnisse zugleich, die aber dem Handgepäck entnommen und gesondert in Plastikwannen durch das Gerät geschickt werden. Noch nicht einsatzreif sind die D-Scanner, von denen die Flüssigkeiten im Handgepäck verbleiben können.

Die bisher verfügbaren Geräte erfordern einen erhöhten Zeitaufwand und haben in Praxistests bisher eine hohe Fehlerquote aufgewiesen, heißt es in Sicherheitskreisen. Nach Angaben des deutschen Flughafenverbandes ADV hat der Probebetrieb an 14 europäischen Flughäfen gezeigt, dass die einzelnen Kontrollstellen 30 bis 50 Prozent weniger Passagiere pro Stunde abfertigen konnten. Ein Grund ist häufiger Fehlalarm. Dazu kommt die Größe der Scanner, die sich nicht in den bisherigen Kontrollstellen integrieren lassen. So müssen beispielsweise am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg für 50 Millionen Euro zwei Pavillons mit vier zusätzlichen Kontrolllinien angebaut werden, weil der geplante Einbau der Scanner im Hauptgebäude die Zahl der dort vorgesehenen Sicherheitsschleusen von 36 auf 32 verringerte. Bei der ADV geht man von einem um 20 bis 30 Prozent größeren Platzbedarf aus. Allein für die deutschen Flughäfen kalkuliert der Verband einen Bedarf an 100 zusätzlichen Kontrollstellen, für die 4000 zusätzliche Sicherheitskräfte benötigt werden.

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