Welt : Flugsicherheit: Flugzeuge kaum zu schützen

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Ein wirksamer Schutz von Flugzeugen gegen Terroranschläge wie in den USA ist nach Überzeugung von Luftfahrtexperten kaum möglich. "Ich weiß nicht, wie Sicherheitsmaßnahmen an Bord einen Selbstmordattentäter stoppen sollten", sagte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR), Joachim Szodruch, am Montag zum Auftakt des DGLR-Kongress in Hamburg. Gegen fanatisierte Terroristen lasse sich im Flugzeug kaum etwas unternehmen.

Technische Maßnahmen wie verstärkte Türen am Cockpit seien nur wenig hilfreich. "Es bleibt immer die Frage, was spielt sich in der Kabine ab, und womit sind die Piloten erpressbar", sagte Szodruch. Längerfristig lasse sich das Fliegen zwar so automatisieren, dass Flüge ohne Pilot möglich seien, dies könne aber nicht die Lösung sein, betonte Szodruch. Auf den Flughäfen müssen sich die Passagiere nach Ansicht der Experten auf umfangreiche Veränderungen einstellen. "Es wird Unannehmlichkeiten für die Reisenden geben", sagte der Geschäftsführer des Flughafens Hamburg, Werner Hauschild. Dazu zählten längere Wartezeiten und höhere Flugpreise. So würden künftig alle Gepäckstücke kontrolliert, derzeit seien es etwa 40 Prozent. Die einschneidendsten Änderungen würden zunächst die Flughäfen betreffen, von denen es Direktflüge in die USA gebe.

Auf dem Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress werden bis zum 20. September rund 400 Experten erwartet. Die Tagung, steht unter dem Motto "Luft- und Raumfahrt - Made in Germany". Zu den wichtigsten Themen zählt die Neuordnung des Luftfahrtsystems in Deutschland.

Die Pilotenvereinigung Cockpit hat in der Diskussion um mehr Sicherheit in Flugzeugen vor Aktionismus gewarnt und Augenmaß gefordert. "Es wäre falsch, jetzt den Fokus ins Flugzeug zu richten. Der Schlüssel für die Sicherheit in der Luft liegt vor allem am Boden. Dort muss der Schwerpunkt der Maßnahmen liegen", sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Georg Fongern.

Entscheidend seien Kontrollen: "Ein gut ausgebildeter Terrorist mit entsprechender Logistik braucht eigentlich keine Waffen", meinte Fongern. Intelligente neue Technologien, die es schon gebe, sollten gefördert werden. So könne man auf der Suche nach Terroristen bei Passagier-Kontrollen im menschlichen Auge "die Iris vermessen, die Daten abgleichen und jeden mit 100-prozentiger Sicherheit identifizieren". Fongern war wegen der Anschlagsserie in den USA am Montag nach Berlin zu einem Treffen mit dem Bundesinnenministerium gereist. Nach den Gesprächen der Bundesminister Otto Schily und Kurt Bodewig mit Vertretern der Lufthansa und der Frankfurter Flughafen- Gesellschaft Fraport vom Wochenende zeigte sich Fongern "hoch befriedigt, dass jetzt nicht per Dekret" etwas beschlossen werde, sondern auch Experten zu Rate gezogen würden.

Die Pilotenvereinigung sei "offen für jede Diskussion, weil es eine ganz neue Lage" nach den Anschlägen in den USA gebe. Einen "Aktionismus", den die USA nach dem Lockerbie-Anschlag praktiziert hätten und der für "tonnenschwere Kontrollgeräte mit 50-prozentiger Fehlerquote" in US-Flughäfen gesorgte habe, müsse vermieden werden.

Für wenig praktikabel halten Flugsicherheitsexperten indessen nach den Attentaten verbreitete Vorschläge, derartige Selbstmord-Attentate durch externe Eingriffe in die Steuerung der betroffenen Maschine zu verhindern. Schon heute sind fast alle größeren Flugzeuge mit einem Gerät ausgestattet, das den Piloten warnt, wenn er sich bei schlechter Sicht dem Boden oder einem voraus aufsteigenden Berg gefährlich nähert. Mit einer Automatik gekoppelt, die dann zwangsläufig für eine Ausweichbewegung sorgt, ließe sich auch gegen den Willen der Person am Steuerknüppel ein Aufprall verhindern. Doch müsste eine solche Automatik immer auch vom Cockpit aus ausschaltbar sein, damit die Maschine landen kann.

Sperre verhindert Kollision

Auch die heute bereits in Airbussen mit Digitalsteuerung vorhandenen Sperren, die ein Übersteuern der Maschine in gefährliche Fluglagen verhindern, gelten zur Verhinderung von Selbstmord-Attentaten nur bedingt geeignet. Sobald die Hijacker selbst ausgebildete Piloten sind, können sie die Maschinen auch im normalen Sinkflug in ein Ziel dirigieren. Und die ebenfalls diskutierte Fernsteuerung entführter Jets vom Boden aus wäre zwar technisch realisierbar, würde aber einen kaum finanzierbaren Aufwand bedeuten. Neben entsprechenden Geräten an Bord und am Boden müssten rund um den Globus an einer Vielzahl von Stationen permanent Piloten bereitstehen, um die Kontrolle notfalls binnen weniger Minuten übernehmen zu können.

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