Welt : Flugverspätungen und Randalierer erschweren den Arbeitsablauf

Tatjana Flade

Für Flugbegleiterin Andrea W. war es nur eine normale Fünf-Tage-Tour auf Kurzstrecken-Flügen in Deutschland und Europa. Doch stundenlange Verspätungen, Überstunden, Übernachtungen ohne Gepäck in einer anderen Stadt als geplant, Hetze beim Service und fehlende Verpflegung für die Crew machten die Arbeit zur Hölle. Von einem "alltäglichen Chaos" berichtet die Stewardess in der Zeitschrift des Berufsverbandes UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation).

UFO-Geschäftsführer Otto Ziegelmeier: "Eine große Belastung sind die Verspätungen." Daraus ergebe sich dann Stress an Bord, und viele Passagiere seien verärgert. Manchmal rastet auch einer aus: "Eine Kollegin wurde schon mal mit einer Rotweinflasche niedergeschlagen und lag mit einer klaffenden Kopfwunde am Boden. Der Passagier war sauer." "Es kommt vor, dass Flugbegleiter 14 bis 16 Stunden arbeiten", sagt Ziegelmeier. "Der Service läuft im Stakkato, und wir wollen trotzdem immer freundlich sein. Aber das ehrliche Lächeln fällt manchmal schwer." Peter Jacobus, Chefsteward bei einer großen Fluggesellschaft sagt: "Die Abläufe sind ganz eng gestrickt. Es ist eine konstante Mehrbelastung." Der Job werde mit einem Anfangsgehalt von 2100 Mark plus Spesen brutto nicht gut bezahlt. Der Leiter Kabinenbesatzungen bei der Lufthansa, Guido Gaertner, weist das jedoch zurück. "Wir haben in diesem Jahr 2200 Flugbegleiter eingestellt und hatten 60 000 Anfragen", berichtet er. "Der Beruf ist nach wie vor attraktiv." Das Gedränge in der Luft und die Verspätungen werden noch zunehmen, erwartet Ziegelmeier. Nach Prognosen soll der Luftverkehr sich bis zum Jahr 2005 oder bis spätestens 2010 verdoppeln. Auch am Boden wird es eng, wenn in Frankfurt wie an einem Tag in den Herbstferien ein neuer Rekord von 170 000 Fluggästen aufgestellt wird. Der Andrang habe eine noch nicht gekannte Größenordnung erreicht, berichtet die Flughafen Frankfurt/Main AG. Die Lobby-Organisation der Fluggesellschaften "Barig" schimpft schon lange über zunehmende Verspätungen. Rund ein Drittel der Flugzeuge in Europa seien im ersten Halbjahr nicht pünktlich in die Luft gegangen. Als Ursache machen die Barig und andere Verbände und Unternehmen vor allem fehlende Abstimmungen der Flugsicherung in Europa aus. Die EU-Kommission müsse die Monopole beseitigen und die europäische Flugsicherung Eurocontrol stärken, fordert die Barig.

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