Flugzeugabsturz : Air-France-Unglück: Leichen im Atlantik gefunden

Fünf Tage nach dem Absturz einer Air-France-Maschine hat die brasilianische Luftwaffe zwei männliche Leichen und Wrackteile der Maschine aus dem Atlantik geborgen. Außerdem wurde bekannt, dass der Airbus offenbar erhebliche technische Probleme hatte.

São PauloDer Fund sei um 8:14 Uhr (Ortszeit) gemacht worden, bestätigte am Samstag in Recife ein Luftwaffensprecher auf einer Pressekonferenz. Wie viele Tote entdeckt wurden, war zunächst unklar. Später hieß es, dass zwei männliche Leichen entdeckt wurden. Dies habe Verteidigungsminister Nelson Jobim den Familien in Rio de Janeiro vor der Pressekonferenz mitgeteilt, sagte ein Familienangehöriger am Samstag dem Nachrichtensender Globonews. Über die Nationalität der beiden Opfer ist noch nichts bekannt.

An Bord des Airbus A330-200, der am Pfingstmontag auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris abgestürzt war, waren 228 Insassen, darunter 28 Deutsche. Die Leichen und Wrackteile sollen jetztzunächst zu der brasilianischen Insel Fernando de Noronha gebracht werden. Die Absturzstelle liegt etwa 1200 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Küste.

Außerdem wurde bekannt, dass der Airbus vor seinem Absturz offenbar erhebliche technische Probleme hatte. In den knapp fünf Minuten vor Ende des Kontakts habe die A330 automatisch 24 Fehlermeldungen an das Wartungszentrum von Air France geschickt, erklärte das Pariser Amt zur Ermittlung von Unfallursachen BEA. "Mehrere Systeme waren ausgefallen, darunter der Autopilot", sagte BEA-Chef Paul-Louis Arslanian am Samstag in Paris. Bei dem Absturz waren 228 Menschen umgekommen.

Unwetter war nicht extrem

Unterdessen bekam die Absturzthese von der extremen Wetterlage am Samstag einen Schlag. Das Unwetter auf der Flugstrecke sei für die Jahreszeit überhaupt nicht extrem gewesen, erklärte der Wetterdienst Météo France.

Laut Arslanian hat der Bordcomputer der A330-200 den Autopiloten ausgeschaltet, weil die Daten von drei Sonden zur Geschwindigkeitsmessung um 50 Stundenkilometer voneinander abgewichen hätten. Ob der Autopilot danach wieder angeschaltet wurde, sei unbekannt, sagte Arslanian. "Wir wissen nichts."

Jetzt überprüft das BEA frühere Probleme von Maschinen des Typs Airbus A330 bei der Geschwindigkeitsmessung. Airbus ersetze und verbessere die Sonden, sagte Arslanian. Das heiße nicht, dass diese Flugzeuge ohne eine Verbesserung gefährlich seien. Bei allen Flugzeugmodellen gebe es ständig Veränderungen.

Forschungsschiff nimmt Kurs auf die Unglücksstelle

Einen Bombenanschlag schloss der BEA-Chef nicht völlig aus. Die These sei angesichts der Datenlage aber "nicht sehr kohärent", sagte er. Aufklärung könnten nur eine Untersuchung der Trümmerteile und vor allem die Auswertung der beiden Flugschreiber bringen.

Ein französisches Forschungsschiff mit Tauchgeräten, die noch aus 6000 Metern Tiefe Teile bergen können, hält Kurs auf die vermutete Absturzstelle. Außerdem hat Frankreich das Atom-U-Boot "Emeraude" mit seinen empfindlichen Horch- und Sonargeräten in Marsch gesetzt.

Die US-Regierung stellte Frankreich zudem hochempfindliches Suchgerät zur Verfügung, das auf zwei Schiffen unterwegs ist. US- Präsident Barack Obama sagte Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Treffen in der Normandie "alle Unterstützung bei der Aufklärung des Unglücks" zu. "Wir sind entschlossen herauszufinden, was passiert ist, und Frankreich zu unterstützen", sagte Obama. Es müssten so viel Informationen wie möglich gesammelt werden.

Das Wrack wird etwa 100 Seemeilen östlich des Mittelatlantischen Rückens vermutet. Dort ist die See mehrere Kilometer tief. "Wir suchen nicht auf gut Glück", betonte Arslanian. Dennoch schloss er nicht aus, dass die Flugschreiber vielleicht nie gefunden werden. Die Peilsender könnten sich von den Flugschreibern gelöst haben, sagte er. Ohne diese kleinen Metallzylinder wären die Flugschreiber für immer verloren. Dasselbe gilt, wenn die Flugschreiber in eine der vielen schmalen unterseeischen Felsspalten gerutscht sind. Die Sender können rund einen Monat Signale geben; dann geht ihnen der Strom aus. (ho/dpa)

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