Welt : Flugzeugabsturz: In Flammen aufgegangen

Rainer W. During

Eine brennende Maschine, aufgeregte Feuerwehrleute, hektisches Sanitätspersonal in der Notaufnahme - die Bilder von dem Flugzeugunglück in Taiwan liefen gestern den ganzen Abend über den Bildschirm. Was gar nicht zu den Bildern passte, war die Meldung von Singapore Airlines kurz nach dem Unglück, dass es keine Todesopfer gegeben habe. Doch schließlich wurde es immer mehr zur Gewissheit. Bei dem missglückten Start des Jumbo-Jets sind in Taiwan am Dienstag möglicherweise bis zu 100 Menschen ums Leben gekommen.

Extreme Wetterbedingungen

Die Maschine der Singapore Airlines hat nach Angaben des Piloten vor dem Abheben in Taipeh auf der Rollbahn einen Gegenstand gerammt, sagte der Sprecher der Fluggesellschaft in Los Angeles. Danach sei die Boeing 747-400 zerbrochen und in Flammen aufgegangen. Bis zum Abend wurden 47 Leichen aus der Maschine geborgen, 48 Menschen galten als vermisst. 68 Insassen erlitten Verletzungen.

Auch ein deutscher Passagier könnte nach Angaben einer Sprecherin von Singapore Airlines in Frankfurt (Main) an Bord der Maschine gewesen sein. Dies wurde allerdings aus Taipeh nicht bestätigt. Der taiwanesische Ministerpräsident Chang Chun-hsiung sagte, "die Hoffnungen die vermissten Passagiere lebend zu bergen sind gering. Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten". An Bord der Maschine waren 159 Passagiere sowie 20 Besatzungsmitglieder.

Das Unglück ereignete sich in stürmischem Wetter, da erste Ausläufer des Taifuns Xangsane die Insel heimsuchten. Das Flugzeug brach nach dem Aufprall auseinander und ging in Flammen auf. Rettungsmannschaften eilten zum Absturzort auf der Startbahn. Das Feuer loderte viele Meter hoch, wurde aber bald gelöscht. Der Jumbo war auf dem Weg nach Los Angeles. Es war das erste Unglück in der Geschichte der Singapore Airlines, bei dem Menschen ums Leben kamen.

Zahlreiche Opfer erlitten Brandwunden. Viele Überlebende hätten durch das Heck flüchten können. Die Situation im vorderen Teil des Flugzeuges sei unklar, sagte ein Mitarbeiter der zentralen Nachrichtenagentur in Taipeh. "Dort sieht es ziemlich schlimm aus." In einem Interview mit CNN berichtete ein Überlebender, wie das Flugzeug aufschlug und auseinanderbrach: "Wir dachten, wir müssten alle sterben." John Diaz, ein anderer Überlebender, sagte: "Die ganze Flugzeug wackelte und brach dann auseinander. Dann waren überall Flammen."

Die Singapore Airlines, Mitglied der Star Alliance-Gruppe, zu der auch die Deutsche Lufthansa gehört, gilt als eine der besten und sichersten Fluggesellschaften der Welt. Aber auch solche Unternehmen sind nicht vor Unfällen gefeit, besonders dann, wenn - wie jetzt in Taiwan - extreme Wetterbedingungen eine Rolle spielen. Vermutlich wurde der Jumbo-Jet das Opfer einer sogenannten Windscherung, einem von allen Piloten gefürchteten Phänomen, das insbesondere bei Unwettern in der Start- und Landephase schon wiederholt Katastrophen verursacht hat. Windscherungen sind plötzliche Abwinde, die ein Flugzeug in Bodennähe mit solcher Wucht erfassen, dass den Piloten nur eine Reaktionszeit von wenigen Sekunden bleibt, um der Situation durch geeignete Gegensteuerung zu begegnen. Alle modernen Jets wie die Boeing 747 sind mit sogenannten Wind-Shear-Alert-Geräten ausgestattet, von denen die Besatzung in derartigen Fällen automatisch alarmiert wird und noch schneller reagieren kann. Gebiete wie das bergigen Taiwan sind für solche Abwinde besonders anfällig, sagte Georg Fongern von der Pilotenvereinigung Cockpit gestern.Auch wenn alle Plätze in einem Jumbo besetzt sind, müsse die Kabine binnen zwei bis drei Minuten evakuiert werden können.

Das muss vor der Zulassung eines neuen Flugzeugs nachgewiesen werden und wird von den Flugbegleitern regelmäßig trainiert.

Die Boeing 747 ist das bisher größte Verkehrsflugzeug der Welt. Seit dem Erstflug 1969 wurden insgesamt 1255 Maschinen ausgeliefert, davon rund 500 der neuesten Varianta 747-400, die seit 1989 fliegt. Singapore Airlines besitzt 35 Maschinen dieses Typs und insgesamt eine Flotte von 85 Flugzeugen.

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