Flugzeugabsturz : "Maschine war ein fliegender Sarg"

Der katastrophale Geisterflug einer zyprischen Boeing 737 mit 121 Todesopfern gibt den Ermittlern weiter Rätsel auf. Heute weigerte sich die Besatzung einer anderen Maschine der Helios Airways, abzufliegen.

Athen (15.08.2005, 16:10 Uhr) - Einen Tag nach der Katastrophe nahe der griechischen Hauptstadt war am Montag noch unklar, warum Piloten und Passagiere der Maschine am Sonntag auf dem Flug von Larnaka nach Athen das Bewusstsein verloren. Die Behörden vermuten einen Defekt der Klimaanlage. Auf Zypern herrschte unter den Menschen am Montag Trauer und Entsetzen. Die Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Einen Anschlag schloss die griechische Regierung aus.

Die zyprische Regierung hat am Montag die Namensliste der Opfer veröffentlicht. Demnach sind nach Angaben des zyprischen Verkehrsministers alle Opfer griechische Zyprer oder Griechen. «Nur der Pilot stammte aus Deutschland», bestätigte der Minister im Fernsehen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin handelte es sich um einen 58-Jährigen aus Berlin. Unter den Opfern sind auch 21 Kinder im Alter zwischen 4 und 17 Jahren. Die Leichen werden in einer Halle in Athen aufgebahrt. Gerichtsmediziner und Familienangehörige sollen helfen, die Toten auch mittels DNA-Analysen zu identifizieren.

Erste Verwandte waren schon am Sonntag in Athen eingetroffen, weitere Angehörige kamen am Montag an. «Diese Maschine war ein fliegender Sarg. Ich habe meinen Sohn verloren. Ich will, dass die Verantwortlichen hart bestraft werden», sagte ein Mann. «Fünf! Fünf! Fünf Menschen muss ich heute abholen», schluchzte eine Frau. «Alle meine Engel sind weg», klagte eine andere, die ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und ihren Enkel verlor.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat seine große Bestürzung über das Unglück ausgedrückt. In einem Schreiben an den Außenminister der Republik Zypern, George Iacovou, heißt es: «Unsere Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei denen, die Angehörige und Freunde verloren haben. Ihnen gilt unsere tief empfundene Anteilnahme.»

Wenige Stunden nach dem Absturz war es auf dem Flughafen von Larnaka zu Tumulten gekommen. Aufgebrachte Angehörige riefen den Helios-Vertretern Vorwürfe zu wie: «Mörder, Ihr habt eine defekte Maschine fliegen lassen.» Einige versuchten, die Landebahn zu stürmen, um weitere Abflüge von Maschinen der Gesellschaft zu verhindern.

Die Boeing 737-300 war auf dem Weg von Zypern nach Prag mit Zwischenlandung in Athen am Sonntagmittag rund zehn Kilometer nordöstlich des Flughafens von Athen abgestürzt. Vermutlich war zuvor die Sauerstoffversorgung in dem Flugzeug ausgefallen. Die Pilotenhatten der Flugsicherung Probleme mit der Klimaanlage gemeldet. Danach brach der Funkkontakt ab.

Zwei griechische Kampfjets eskortierten deshalb die Maschine. Deren Piloten beobachteten, dass im Cockpit nur ein - offenbar bewusstloser - Pilot saß. Darüber hinaus habe eine andere Person vergeblich versucht, die Maschine unter Kontrolle zu bringen. Nach Vermutungen der Behörden vom Montag war das möglicherweise eine Stewardess. Neben dem Wrackteil des Cockpits sei die Leiche einer Stewardess gefunden worden, hieß es zur Begründung. (tso)

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