• Flugzeugabsturz: Maschine zerschellt in drei Teile – 126 Insassen überleben

Flugzeugabsturz : Maschine zerschellt in drei Teile – 126 Insassen überleben

Das einzige Todesopfer der Bruchlandung einer Maschine der kolumbianischen Fluggesellschaft Aires der stirbt an einem Herzinfarkt. Ein Gewitter soll das Unglück verursacht haben.

von
Auseinander gebrochen und über die Landebahn geschleift - die Boeing 737. Foto: dpa
Auseinander gebrochen und über die Landebahn geschleift - die Boeing 737.Foto: dpa

Nachtflug 8250 der kolumbianischen Gesellschaft Aires war kurz nach Mitternacht mit 121 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern in Bogota gestartet. 102 Minuten später befand sich der zweistrahlige Jet im Anflug auf die rund 190 Kilometer östlich der nicaraguanischen Küste gelegenen Ferieninsel San Andreas. Dort tobte zu diesem Zeitpunkt ein schweres Gewitter. Der direkt am Ufer gelegene Inselflughafen hat zwar eine 2300 Meter lange Start- und Landebahn, verfügt aber über kein Instrumentenlandesystem. Deshalb erfordert die Landung besondere Konzentration der Piloten. Kurz nach dem Überfliegen der Küstenlinie wurde die Boeing 737-700 nach Aussagen des Flugkapitäns von einem Blitz getroffen, worauf die Piloten die Kontrolle über das Flugzeug verloren. Die Maschine schlug 80 Meter vor dem Beginn der Piste hart auf den Boden, konnte aber von der Besatzung auf Kurs gehalten werden. Der Jet zerbrach in drei Teile, die über die Landebahn schleiften. Die Insassen konnten sich zum größten Teil selbst aus dem Wrack befreien und wurden in verschiedene Krankenhäuser gebracht. Das einzige Todesopfer starb an einem Herzinfarkt. Alle anderen 126 Insassen haben überlebt. Fünf von ihnen wurden ernsthaft verletzt.

Ein Wunder. Ein Flugzeug ist weitgehend gegen Blitze geschützt. Sein Rumpf wirkt wie ein Auto als Faraday’scher Käfig, der ein Eindringen von Blitzen verhindert. Über externe Quellen wie Außenantennen kann aber die Bordelektronik beeinträchtigt werden. 1988 stürzte bei Kettweg ein Metro-Propellerflugzeug des Nürnberger Flugdienstes mit 21 Menschen an Bord auf dem Weg von Hannover nach Düsseldorf ab. Ein Blitzeinschlag hatte die Stromversorgung ausfallen lassen, wodurch auch Steuerelemente blockierten und die Maschine in einen unkontrollierbaren Zustand geriet.

In San Andreas könnte eher eine sogenannte Windscherung die Boeing zu Boden gedrückt haben, vermuten Experten. Das sind heftige, bei Gewittern auftretende Abwinde, die in der Vergangenheit wiederholt Abstürze bei Start oder Landung ausgelöst haben. Gerade in Bodennähe bleiben den Piloten nur Sekundenbruchteile, um gegenzusteuern. Viele große Verkehrsflughäfen verfügen deshalb über Windscherungsmess- und -warnsysteme. Moderne Verkehrsflugzeuge können heute auch mit bordeigenen Detektoren ausgestattet werden.

Denkbar ist auch, dass die Piloten durch den Blitz geblendet wurden und der Jet so kurzzeitig außer Kontrolle geriet. Für einen Einschlag in die Flugzeugnase spricht die zerstörte Bugabdeckung des Wetterradars. Eine technische Ursache schloss der kolumbianische Verkehrsminister Germain Cardona Guiterrez aus. Die Boeing 737-700 war nach seinen Angaben erst vor acht Tagen gewartet worden. Das Flugzeug war 2003 gebaut worden und flog bis 2009 für den britischen Low-Cost-Carrier Easyjet. Im Frühjahr hatte Aires die Maschine übernommen. Das 1981 als kleine Regionalfluggesellschaft gegründete Unternehmen betreibt seit 2008 auch größere Jets und führte das Billigflugmodell in Kolumbien ein.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben