Welt : Flugzeugabsturz: Nur mit dem Willen des Piloten

Rainer W. During

Ist ein Flugzeug erst einmal in der Luft, kann es gegen den Willen des Piloten nur noch durch Abschuss gestoppt werden. Seit den Attentaten vom 11. September stehen in den Vereinigten Staaten deshalb mehrere Jagdflugzeuge in ständiger Alarmbereitschaft. Im Fall von Mailand hatten die Behörden dagegen keine Chance. Die Fluglotsen gingen von einer Notsituation aus und versuchten, die Maschine zurück zum Flughafen zu dirigieren. Kursabweichungen müssen in dieser Situation nicht das Misstrauen der Luftaufsicht schüren. Fluglotsen unterliegen einem regelmäßigen Sicherheitstraining, so die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, Ute Otterbein. In der Bundesrepublik werden Notsituationen gemeinsam mit Lufthansa-Piloten geprobt. Flugzeug- und Radarschirm-Simulatoren sind dann parallel geschaltet. Auf diese Weise üben beide Seiten das Verhalten in Notfällen wie beispielsweise Rauchentwicklung im Cockpit oder Druckabfall in der Kabine. Ein psychologisches Training für den Umgang mit Selbstmördern oder Selbstmord-Attentätern am Steuerknüppel ist bisher nicht vorgesehen. Eingriffsmöglichkeiten vom Boden aus gibt es außer der Ansprache des Piloten über Funk nicht. Nach den Anschlägen in den USA waren Möglichkeiten diskutiert worden, entführte oder außer Kontrolle geratene Flugzeuge vom Boden aus fernzusteuern. Solche Systeme existieren zwar für ferngelenkte Forschungs- und Aufklärungsmaschinen, die Ausstattung aller Flugzeuge und Bodenstationen würde aber einen technischen und finanziellen Aufwand erfordern. Dass ein Selbstmord mit dem Flugzeug auch nach dem 11. September nicht verhindert werden kann, hat in den USA der Fall eines Pilotenschülers bewiesen, der im Januar in einen Wolkenkratzer in Tampa im Bundesstaat Florida gerast war.

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