Flugzeugabsturz : Verurteilt für das Unglück am Bodensee

Die Kollision zweier Flugzeuge im Juli 2002 forderte 71 Todesopfer. Nun wurden die letzten Urteile gesprochen.

Flugzeugunglück
Trauer. Angehörige im Juli 2002 an der Absturzstelle. -Foto: AP

Zürich - Im Prozess um das Flugzeugunglück von Überlingen hat ein Schweizer Gericht am Dienstag vier Mitarbeiter der Flugüberwachung Skyguide schuldig gesprochen. Drei von ihnen erhielten nach Angaben der schweizerischen Nachrichtenagentur SDA eine zwölfmonatige Haftstrafe auf Bewährung. Der vierte wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Bei dem Unglück waren im Juli 2002 ein russisches Passagierflugzeug und eine deutsche Frachtmaschine über Überlingen am Bodensee zusammengeprallt. 71 Menschen kamen ums Leben, darunter 52 Kinder aus der russischen Teilrepublik Baschkirien, die auf dem Weg in die Ferien waren. Insgesamt mussten sich vor dem Gericht in Bülach acht Skyguide-Mitarbeiter verantworten, vier wurden freigesprochen. Den Verurteilten warf das Gericht Vernachlässigung ihrer Pflichten vor. Sie seien ihrer Verantwortung und ihrer Pflicht zur Vorsicht nicht nachgekommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für alle acht Angeklagten Bewährungsstrafen zwischen sechs und 15 Monaten gefordert. In seinem Abschlussplädoyer vor dem Bezirksgericht in Bülach beschuldigte Staatsanwalt Bernhard Hecht sie der mehrfachen fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Störung des öffentlichen Verkehrs. Die Verteidigung forderte dagegen Freisprüche. Für sie lag die Schuld an dem Unglück allein bei dem damals diensthabenden Lotsen. Er war allein im Tower, weil sein Kollege gerade Pause machte. Zwei Jahre nach dem Absturz wurde der Fluglotse von einem russischen Familienvater umgebracht, der bei dem Unglück seine Frau und zwei Kinder verloren hatte. Der Mann wurde wegen Mordes verurteilt. Skyguide-Chef Francis Schubert hatte im Mai dieses Jahres die Verantwortung des gesamten Unternehmens für das Unglück eingestanden und erklärt: „Die Firma ist ein System, das in der Nacht des 1. Juli 2002 nicht so funktioniert hat, wie es sollte.“ AFP