Welt : Flugzeugabsturz von Taipeh: Auf der Startbahn stand ein Bagger

Nahezu unversehrt klettern 44 Menschen aus dem hinteren Wrack der verunglückten Boing 747 auf dem Flughafen von Taipeh, während vorne ein orangefarbenes Flammenmeer wütet. Viele von denen, die sich in den ersten Augenblicken aus den Trümmern des Flugzeugs befreien und dem Feuer entkommen, haben nicht einmal einen Kratzer. Für 79 der 179 Menschen an Bord kommt dagegen in der Nacht zum Mittwoch jede Hilfe zu spät.

Der taiwanische Fernsehsender TVBS berichtete am Mittwoch, die Maschine habe möglicherweise irrtümlich eine wegen Reparaturarbeiten geschlossene Startbahn benutzt und sei mit dort stehendem Gerät kollidiert. Hingegen betonte der Vize-Präsident der Luftfahrtgesellschaft, Rick Clements, dafür lägen keine Beweise vor. Clements bestätigte jedoch, dass einer der Piloten, der das Unglück überlebte, vom Zusammenstoß mit einem Objekt berichtete.

Die Ermittler vernahmen am Mittwoch drei Piloten und prüften Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der Cockpit-Besatzung und dem Tower. Die Behörden hörten Überlebende an und sammelten andere Zeugenaussagen. Aufschluss erhofften sich die Ermittler unter anderem von den beiden Flugschreibern, die am Morgen gefunden wurden, nachdem bereits am Dienstag fälschlicherweise von ihrem Fund berichtet worden war. Bis Freitag sollten auch Ermittler aus den USA und Singapur in Taiwan ihre Arbeit aufnehmen.

Der Sender TVBS zeigte Bilder von Betonklötzen und Baugerät, die auf der gesperrten Startbahn herumstanden. Ein Bagger trug dabei deutliche Spuren eines Zusammenstoßes. Ein Ermittler der taiwanischen Flugsicherheitsbehörde sagte dem Sender, die Möglichkeit der Verwechslung der Piste könne nicht ausgeschlossen werden. Zwei der Startbahnen auf dem Flughafen der Hauptstadt Taipeh verlaufen parallel zueinander, eine davon wird derzeit überholt und ist daher gesperrt. Der über Taiwan hinwegziehende Taifun wurde inzwischen als Absturzursache ausgeschlossen.

Mängel bei Boeing gerügt

Die US-Flugsicherheitsbehörde FAA hat beim Flugzeugbauer Boeing grundliegende Qualitätsprobleme bei der Entwicklung und Herstellung gerügt. Überprüungen beim größten Flugzeughersteller der USA hätten zwischen Dezember und Februar 20 Fälle von Qualitätsmängeln bei der Entwicklung und 87 bei der Produktion der Verkehrsmaschinen ergeben, erklärte die FAA am Montagabend. Die Untersuchung habe gezeigt, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um "grundliegende Probleme" handele. Die Behörde habe Boeing mehrere sofortige Auflagen erteilt, um sicherzustellen, "dass die gelieferten Flugzeuge weiterhin den Sicherheitsnormen entsprechen". Die FAA rügte unter anderem zu komplizierte Produktionsprozesse, ungenügend ausgebildetes Personal sowie "unangemessene oder nicht befolgte Arbeitsanweisungen". Eine Boeing-Sprecherin betonte, die Sicherheit der Passagiere sei durch die monierten Vorfälle "zu keiner Zeit eingeschränkt" gewesen. Die Qualitätskontrolle in dem Konzern funktioniere "hervorragend", dies sei durch die Sicherheitsbilanz der Flugzeuge belegt.

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