• Flugzeugabsturz vor zwei Jahren: Germanwings-Katastrophe: „Wie können sie es wagen?"
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Flugzeugabsturz vor zwei Jahren : Germanwings-Katastrophe: „Wie können sie es wagen?"

Vor genau zwei Jahren zerschellte ein Germanwings-Flugzeug mit 150 Menschen an Bord in den Alpen. Ermittler sehen die Selbstmordabsicht des Copiloten als Grund. Dessen Vater widerspricht - zum Entsetzen der Betroffenen.

Günter Lubitz (r.) und Flugexperte Tim van Beveren.
Günter Lubitz (r.) und Flugexperte Tim van Beveren.Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Die am zweiten Jahrestag der Germanwings-Katastrophe neu geäußerten Zweifel an der offiziellen Absturzursache sind auch in Spanien auf heftige Kritik gestoßen. „Wie können sie es wagen, ausgerechnet an so einem markanten Tag solche Informationen zu veröffentlichen?“, fragte empört die Vorsitzende des spanischen Verbandes der Betroffenen des Unglücksfluges, Silvia Chaves, nach Medienberichten vom Freitag.

Die französische Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA bleibt bei ihrer Einschätzung, dass Copilot Andreas Lubitz zum Zeitpunkt der Germanwings-Katastrophe im Cockpit war. Die Ingenieure hätten damals die Stimm- und Atemgeräusche im Cockpit ausgewertet, sagte ein Sprecher der Behörde am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Für uns gibt es keinen Zweifel.“ Lubitz' Atmung sei auf den Stimmrekorder-Aufzeichnungen bis zum Schluss zu hören gewesen - im Bericht heißt es: bis sieben Sekunden vor der Kollision.

Günter Lubitz bestreitet Suizidgedanken seines Sohnes

Auch die Bundesregierung hat neu geäußerte Zweifel an der offiziellen Absturzursache der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren zurückgewiesen. „Es gibt für uns keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der Unfalluntersuchungsbehörde zu zweifeln“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin. Dem offiziellen Untersuchungsbericht zufolge hat Copilot Andreas Lubitz den Airbus vor zwei Jahren absichtlich gegen einen Berg in den französischen Alpen gesteuert. Alle 150 Menschen an Bord starben.

Der Vater des Copiloten, Günter Lubitz, sagte am Freitag in Berlin, sein Sohn habe zum Zeitpunkt des Absturzes nicht an einer Depression gelitten. Kein Arzt oder Therapeut habe damals Suizidgedanken bei seinem Sohn festgestellt, es habe auch keine Hinweise auf ein „fremdaggressives Verhalten“ vorgelegen, sagte er. Dem offiziellen Untersuchungsbericht zufolge hat Andreas Lubitz den Airbus vor zwei Jahren absichtlich gegen einen Berg in den französischen Alpen gesteuert. Alle 150 Menschen an Bord von Flug 4U9525 starben.

"Haben den Tag nicht gewählt, um die Angehörigen zu verletzen"

Günter Lubitz sagte weiter, die Familie müsse damit leben, dass der Sohn als „depressiver Massenmörder“ dargestellt werde und dass er als „dauerdepressiv“ gelte. Er habe seine Depression im Jahr 2009 aber überwunden. Die festgestellten Arztbesuche 2014 und 2015 seien ausschließlich wegen seines Augenleidens nötig gewesen. Er habe seinen Sohn in den Jahren vor dem Absturz als „lebensbejahenden, verantwortungsvollen“ Menschen erlebt. „Unser Sohn war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv.“ Der Vater verteidigte den Zeitpunkt seiner Erklärung am zweiten Jahrestag des Absturzes. Er erhoffe sich mehr Aufmerksamkeit für seine Aussage, sagte Günter Lubitz. „Wir haben den Tag nicht gewählt, um die Angehörigen zu verletzen.“ (mm, dpa)

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