Flugzeugabsturz : "Wir erfrieren"

Bei dem Flugzeugabsturz am Sonntag über Griechenland sind alle 121 Passagiere ums Leben gekommen. Vermutlich fielen Klimaanlage und Sauerstoffzufuhr aus.

Athen (15.08.2005, 09:14 Uhr) - Dramatischer Todesflug mit bewusstlosen Piloten: Eine zyprische Chartermaschine mit 121 Insassen ist führerlos über Griechenland gekreist, dann in die Tiefe gestürzt und am Boden zerschellt. Bei der Flugzeugkatastrophe am Sonntag nahe dem Dorf Grammatikó rund zehn Kilometer nordöstlich des Flughafens von Athen gab es keine Überlebenden. Wie griechische Medien berichteten, war während des Fluges von Larnaka nach Athen vermutlich die Klimaanlage ausgefallen und der Sauerstoff ausgegangen.

Viele Insassen des Charterfliegers hatten offenbar schon das Bewusstsein verloren. Die Maschine flog führungslos. Als der Treibstoff ausging, zerschellte der Flieger um 12.20 Uhr Ortszeit (11.20 MESZ), teilte die griechische Behörde für Zivile Luftfahrt mit. «Ich sah, wie die Maschine direkt auf den Hügel zuflog. Dann gab es eine fürchterliche Explosion. Ich eilte hin und fand nur verstümmelte Leichen und brennende Wrackteile», schilderte ein Augenzeuge im Fernsehen.

«Viele Leichen sehen so aus, als ob man sie in einem Tiefkühlschrank gestellt hätte», berichtete ein Reporter von den Rettungsarbeiten. Dies verstärkte die Vermutung, dass die Maschine vor dem Absturz Probleme mit der Klimaanlage und dem Luftdruck- Ausgleichssystem hatte. Ein Experte der Pilotenvereinigung Cockpit in Deutschland betonte jedoch, dass ein Druckverlust alleine eigentlich nicht zu einem Absturz führe. Eine solche Situation werde regelmäßig geübt.

Die Unglücks-Boeing war nach Berichten des griechischen und des zyprischen Fernsehens «bekannt für ähnliche Probleme.» Vor wenigen Monaten, am 18. Dezember 2004, habe es auf dem Flug von Warschau nach Larnaka ähnliche Schwierigkeiten gegeben. Wie die zyprische Presse damals berichtet hatte, seien die Menschen «wie betäubt» aus dem Flieger herausgekommen. Auch vor dem Abflug am Sonntag sei in Larnaka ein Problem mit der Klimaanlage aufgefallen. Ein Sprecher der Helios dementierte diese Berichte allerdings umgehend. Die Maschine sei vergangene Woche gründlich gewartet worden, sagte er.

Am Flughafen von Larnaka griffen aufgebrachte Verwandte einen Sprecher der Helios-Chartergesellschaft an. «Mörder, Ihr habt eine defekte Maschine fliegen lassen», schrie einer der Verwandten. In Nikosia herrschte insgesamt Informationschaos. Verkehrsminister Thrassou war fast sieben Stunden nach dem Unglück am Abend nicht in der Lage zu sagen, wer genau die Opfer waren. Verwandte der Opfer wurden mit einer Sondermaschine nach Athen gebracht. In einer Halle nahe Athen sollten Gerichtsmediziner und Verwandte die Leichen identifizieren.

In Brüssel nannte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot den Absturz der Maschine eine Mahnung, in der gesamten Europäischen Union (EU) höchste Sicherheitsstandards durchzusetzen. (Von Takis Tsafos, dpa)

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