Flugzeugabsturz : Zeitung beschuldigt ukrainische Fluglotsen

Ukrainische Fluglotsen haben der abgestürzten russischen Passagiermaschine möglicherweise nur einen unzureichenden Luftkorridor zum Ausweichen eines Unwetters zur Verfügung gestellt.

Moskau - Der russische Pilot Wladimir Gerassimow berichtet nach einem Artikel in der russischen Tageszeitung "Iswestija", der Lotsendienst aus Charkiw hätte dem Flieger lediglich einen Umweg von 20 Kilometer zugestanden. "Dieser Abstand war nicht ausreichend, um die Wolkenfront zu umfliegen", sagte Gerassimow. Die Lotsen hätten der Maschine den Korridor einfach auf gut Glück zugewiesen. "Manchmal ist es jedoch notwendig, hunderte Kilometer zu fliegen, um einem Unwetter auzuweichen", erklärte der Pilot. Abweichungen von der ursprünglichen Flugroute müssen demnach vom Bodenpersonal genehmigt werden.

Unterdessen bemühten sich russische und ukrainische Experten weiter darum, die genaue Absturzursache der Tupolew Tu-154 des russischen Flugunternehmens Pulkowo zu klären. Nach ersten offiziellen Angaben scheinen die schwierigen Wetterverhältnisse eine wichtige Rolle bei dem Unglück gespielt zu haben. Ukrainischen Behörden zufolge waren die Kontrolleure in Charkiw und die Besatzung der Maschine von dem Unwetter unterrichtet. Es habe eine Unterhaltung darüber stattgefunden. Warum das Unwetter jedoch so verheerende Auswirkungen auf die Maschine hatte, ist noch nicht geklärt. Die englisch-sprachige Tageszeitung "The Moscow Times" berichtete, der Pilot habe die Warnungen über den Sturm sowohl vor dem Abflug als auch später in der Luft "ignoriert".

Bei dem Unglück am vergangenen Dienstag waren alle 170 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter auch zwei Deutsche. Die Maschine war vom Ferienort Anapa am Schwarzen Meer gestartet und auf dem Weg nach St. Petersburg in der Nähe von Donezk abgestürzt. (tso/AFP)

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