Welt : Flugzeugkatastrophe von 1996: TWA-Maschine wurde nicht abgeschossen

Der Absturz eines TWA-Passagierflugzeugs vor New York im Juli 1996 war nach dem offiziellem Ermittlungsergebnis ein Unglück und kein Anschlag. Die US-Flugsicherheitsbehörde NTSB legte am Dienstag in Washington ihren Bericht vor, mit dem die Spekulationen über einen kriminellen Hintergrund für die Katastrophe mit 230 Toten beendet werden sollen. Es gebe "nicht den geringsten Hinweis" darauf, dass der Absturz des Jumbos durch eine Bombe oder eine Rakete ausgelöst worden sei, sagte NTSB-Chef Jim Hall. Die Maschine war am 17. Juli 1996 nur zwölf Minuten nach dem Start vom New Yorker Flughafen John F. Kennedy abgestürzt. Verschiedene Experten-Gruppen hatten in der Vergangenheit Augenzeugen zitiert, wonach eine Rakete die Maschine traf.

Laut Hall untersuchten die Ermittler das Wrack genauestens daraufhin, ob eine Rakete oder eine Bombe Auslöser der Katastrophe gewesen sein könnte. Statt dessen fanden sie jedoch heraus, dass versehentlich der Haupttank unterhalb des Rumpfes explodierte. Die Ergebnisse sollten bei der zweitägigen öffentlichen Anhörung im Detail vorgestellt werden. Die NTSB hatte bereits sechs Monate nach dem Unglück erklärt, die chemische Analyse des Metalles vom Rumpf habe keinerlei Hinweise auf Schäden gezeigt, die von einer Rakete oder Bombe hätten verursacht werden können. Das FBI war zunächst ebenfalls Anschlaghinweisen nachgegangen, stellte die Ermittlungen aber 1997 ein.

Es sei noch nicht klar, was die Detonation ausgelöst habe, ein Kurzschluss erscheine jedoch sehr wahrscheinlich, heißt es jetzt. "Der Absturz von Flug 800 zeigt, dass auch im sichersten Transportsystem der Welt die Dinge manchmal schrecklich falsch laufen können", sagte Hall. Er bedauerte, dass "eine kleine Gruppe von Leuten" weiterhin Zweifel an den Ermittlungsergebnissen hege und dem Staat die Unterdrückung der Wahrheit vorwerfe. In Richtung der Angehörigen sagte er, die TWA-Katastrophe habe gezeigt, dass selbst in einem der sichersten Transportsysteme der Welt "die Dinge schlecht laufen können". Verschiedene Experten werfen der NTSB dagegen erneut vor, "entscheidende Informationen unterdrückt" habe. Zu ihnen gehört die Gruppe FIRO, in der sich Militärexperten, Piloten und ehemals an dem Fall arbeitende Ermittler zusammengeschlossen. "13 Zeugen haben gesehen, dass ein Objekt das Flugzeug traf", sagte der Vorsitzende der Gruppe, Tom Stalcup. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Unglücksstelle seien zahlreiche Schiffe unterwegs gewesen, eines davon sei niemals identifiziert worden. Nach Angaben von Flugzeugingenieur Glen Schulze, der die Flugschreiber der Maschine untersucht hatte, wurden vier Sekunden der Aufzeichnungen gelöscht, während das FBI mit den Ermittlungen befasst war.

Die internationale Pilotenvereinigung warnte unterdessen vor einer drastischen Zunahme von Flugzeugabstürzen in den kommenden Jahren. Falls trotz zunehmendem Flugverkehr nicht mehr für die Sicherheit getan werde, werde es im Jahr 2010 jede Woche eine Katastrophe geben, sagte der Vorsitzende des Internationalen Verbands von Flugpilotenvereinigungen (IFALPA), Ted Murphy, in London.

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