Flugzeugunglück : Airbus-Absturz: Lauter falsche Daten

Die angeblichen Wrackteile haben sich als Treibgut erwiesen. Der Airbus bleibt spurlos verschwunden.

Rainer W. During

Nachdem sich der angebliche Fund von Wrackteilen als treibender Müll herausgestellt hat, ist völlig unklar, wo der Airbus A330 der Air France auf seinem Flug 447 geblieben ist. Es gibt kein Wrack, keine Wrackteile, es gibt nichts, kein einziges Detail, das auf den Verbleib der Maschine hindeutet. Niemand kann sagen, wie sich diese Geschichte am Ende wenden wird. Eine solche Situation kann ein Nährboden für Verschwörungstheorien und Spekulationen sein.

Während die Ermittler vor einem Rätsel stehen, wird Kritik an der Informationspolitik laut. So hat Frankreich Brasilien die voreilige Ankündigung zu den angeblich geborgenen Wrackteilen vorgehalten. „Die französische Regierung sagt seit Tagen, dass man extrem vorsichtig sein muss“, sagte der Staatssekretär Dominique Bussereau. „Es waren unsere brasilianischen Freunde, die Dinge gesehen haben, von denen sie glaubten und behaupteten, dass sie zu dem Flugzeug gehörten.“ Die brasilianische Armee hatte zuvor eingeräumt, dass die aus dem Meer gefischten Teile nicht wie zunächst angekündigt von der abgestürzten Maschine stammten. Es handelte sich unter anderem um eine Holzpalette. Zudem habe sich herausgestellt, dass es sich bei dem angeblichen Kerosinfilm auf dem Wasser um Öl von einem Schiff handele. Die brasilianische Luftwaffe hatte anfangs auch einen im Wasser treibenden Flugzeugsitz sowie ein sieben Meter langes Wrackteil ausgemacht, die aber nicht geborgen wurden.

Unterdessen bestätigte Airbus, dass das Flugzeug widersprüchliche Geschwindigkeitsdaten gesendet habe. Das geht aus einem Schreiben von Airbus an die Fluggesellschaften hervor, aus dem der Luftfahrtnachrichtendienst aero.de zitiert. Das Flugzeug schickte demnach aus einer Unwetterzone heraus automatische Fehler- und Wartungsmeldungen, nach denen die von mehreren Messgeräten erfassten Luftgeschwindigkeitsdaten nicht übereinstimmten. In dem Schreiben erinnert Airbus daran, dass Piloten in solchen Fällen Schub und Anstellwinkel konstant halten sollen, bis die Daten wieder fehlerfrei gemessen werden.

Der Absturz in einem extremen Gewitter über dem Atlantik hat zu einer Diskussion über die elektronische Steuerung moderner Verkehrsflugzeuge geführt. Früher wurden die Bewegungen der Steuerknüppel durch Seilzüge übertragen. Seit Ende der 80er Jahre ist das „Fly-byWire“-System, bei dem die Kommandos in elektronische Signale umgewandelt werden, bei neu entwickelten Modellen der Standard. Die Kabel sind gegen elektromagnetische Störungen abgeschirmt, die Systeme vierfach vorhanden. Bei einem Ausfall aller drei Stromkreise übernimmt eine nach dem Dynamoprinzip arbeitende Hilfsturbine, deren Mini-Propeller durch den Fahrtwind angetrieben wird, die elektrische Versorgung. Dennoch wird insbesondere für den militärischen Einsatz bereits ein „Fly-by-Light“System entwickelt, bei dem gegen äußere Einflüsse unempfindliche Lichtwellenleiter die Übertragung der Steuersignale übernehmen. Während die später entwickelten Airbus-Modelle ab dem A320 mit dem „Fly-by-Wire“-System ausgestattet sind, sind es bei Boeing nur die 777 sowie die neue 787, deren Erstflug noch bevorsteht. Dabei verfolgen die beiden Flugzeughersteller unterschiedliche Philosophien. Während Boeing den Piloten die letzte Entscheidung überlässt, analysiert bei Airbus ein Computer die Steuerbefehle und blockiert Anweisungen, die den Jet in eine gefährliche Lage manövrieren könnten. In diesem Zusammenhang verweisen Experten auf einen Zwischenfall. Am 7. Oktober 2008 ging ein A330 – der Typ, der jetzt verschwunden ist – auf dem Weg von Singapur nach Perth zweimal hintereinander in einen Sturzflug über, weil einer der drei Flugkontroll-Computer plötzlich falsche Daten lieferte.

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