Flugzeugunglück : Bruchlandung bei Amsterdam - fehlte Sprit?

Eine Boeing 737 ist bei Amsterdam auf einem Acker zerschellt. Neun Menschen wurden getötet. Vielleicht fehlte zum Schluss der Sprit.

R. Brockschmidt[F. Ataman],S. Güsten[F. Ataman],R. W. During[F. Ataman]
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Der Bauer Sven Verheijen arbeitete gerade in seinem Garten, als das Flugzeug sehr tief über seinen Hof flog. „Das Flugzeug hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Ich sah, dass das Heck des Flugzeuges einen Baum berührte, dann fiel es auf den Boden. Gepäck und Trümmer flogen durch die Luft und das Flugzeug stürzte sehr hart neben der Autobahn A 9 nieder. Innerhalb von zehn Minuten kamen die ersten Krankenwagen.“ Das sagte er der Zeitung „de Volkskrant“.

Die Maschine vom Typ Boeing 737-800 der türkischen Fluggesellschaft Turkish Airlines (THY) hatte am Mittwoch kurz vor der Landung auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol hart auf einem Acker aufgesetzt und zerbrach in mehrere Teile. Kurze Zeit später verkündete die Fluggesellschaft, alle Passagiere seien gerettet worden. Das musste später korrigiert werden. Neun Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, darunter beide Flugzeugführer und ein Pilot in Ausbildung. 86 der 134 Insassen wurden verletzt.

Wie ein Reporter des Nachrichtensenders NOS berichtet, ist das Flugzeug einen Kilometer nach einem Wasserweg und kurz vor einer anderen Autobahn gelandet. So gesehen sei der Acker noch die beste Landemöglichkeit gewesen. Der Passagier Mustapha Bahcecioglu erzählte NOS per Telefon, dass er den ganzen Flug über geschlafen habe. „Es gab einen harten Ruck, davon wurde ich wach, das Flugzeug wollte noch mal aufsteigen, aber das gelang nicht. Dann sind wir schon auf den Grund gekracht. Ich bin mit einem Passagier durch die Hintertür nach draußen gelaufen. Ich habe meine Frau und meine Mutter angerufen. Das war das Erste, was ich getan habe. Wir sind noch einmal zurückgelaufen und haben etwa zehn bis 15 Frauen und Kindern nach draußen geholfen. Viele Menschen waren eingeklemmt, denen konnten wir leider nicht helfen. Es gab sehr viele Verletzte, keine Ahnung, wie viele Tote. Aber es gab sicherlich welche. Dann kamen auch schon die Ambulanzen und ein Bauer mit einem Kettenfahrzeug. Darauf wurden die Verletzten gelegt.“ Ein Banker namens Mutlucan, der sich aus eigener Kraft aus dem Wrack retten konnte, sagte dem Fernsehsender „ntv msnbc“: „Wir waren dabei, normal zu landen, aber plötzlich gab es Turbulenzen, das Flugzeug geriet außer Kontrolle und wir krachten zu Boden“. Aufgrund des schnellen Absturzes sei Panik erst danach ausgebrochen.

Flugzeugabsturz Amsterdam
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1 von 7Foto: AFP
29.07.2009 08:30Eine Maschine der Turkish Airlines stürzt beim Landeanflug auf den Flughafen Amsterdam-Schiphol ab und zerbricht in drei Teile. -

Ein Augenzeuge hat den Absturz von der A 9 aus dem Auto aus beobachtet, meldet „de Volkskrant“: „Die Nase des Flugzeugs ging nach oben und folglich ging das Heck nach unten. Das wurde durch den Piloten korrigiert, so dass das Flugzeug wieder mehr oder weniger in eine normale Position kam. Dann zeigte die Spitze nach unten und dann war das Flugzeug nicht mehr zu hören und stürzte wie ein Bleiklumpen zu Boden.“ Diese Schilderung stützt die Vermutung, dem Flugzeug könnte der Sprit ausgegangen sein.

Der Leistung der Besatzung ist es offenbar zu verdanken, dass nicht mehr Passagiere ums Leben kamen. Als die Piloten merkten, dass sie die nur noch einen knappen Kilometer entfernte Landebahn nicht mehr erreichen konnten, haben sie augenscheinlich gezielt zur Landung auf einer freien Ackerfläche angesetzt. Beim Aufsetzen wurden die beiden Triebwerke abgerissen und das Flugzeug zerbrach in drei Teile. Für eine kontrollierte Notlandung spricht auch, dass unmittelbar danach von den Flugbegleitern die Kabinentüren geöffnet wurden und Passagiere aus dem Wrack flüchten konnten. Es kam zu keinem Brand. Hätte sich übrig gebliebenes auslaufendes Benzin an heißen Triebwerken entzündet, wären mehr Opfer zu beklagen gewesen.

Völlig unklar ist die Ursache des Unglücks. Die aus Istanbul kommende Maschine befand sich im Endanflug auf die Landebahn 18R des Flughafens Amsterdam-Schiphol, als möglicherweise die Triebwerke versagten. Treibstoffmangel könnte ebenso dazu geführt haben wie ein Vogelschwarm. Erst vor wenigen Wochen hatte in New York ein Verkehrsjet auf dem Hudson River notwassern müssen, nachdem beide Triebwerke durch eine Vielzahl von Vögeln außer Betrieb gesetzt worden waren. Auch ohne Antrieb ist ein Verkehrsflugzeug in der Lage, noch eine gewisse Strecke im Segelflug zurückzulegen. Angesichts der bereits extrem niedrigen Höhe war die noch mögliche Segeldistanz jedoch äußerst gering.

Das Unglück weckt Erinnerungen an das bislang schwerste Flugzeugunglück unweit des Flughafens Schiphol. Im Oktober 1992 war eine Boeing-747-Frachtmaschine der israelischen Gesellschaft El Al verunglückt. Sie stürzte in einen Hochhauskomplex. Offiziell wurden 43 Menschen getötet. Viele der Hausbewohner waren wegen fehlender Aufenthaltserlaubnis nicht gemeldet.

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