Flugzeugunglück : Der Himmel über Afrika

Die Ursache des schweren Flugzeugunglücks in Khartum ist noch ungeklärt. Das Fliegen zwischen Kap und Kairo wird immer gefährlicher.

Wolfgang Drechsler

Kapstadt Es geschah angeblich kurz nach dem Aufsetzen der Maschine, also zu einem Zeitpunkt, als die kritische Landephase längst vorüber war. Darauf besteht zumindest Jusuf Ibrahim, Chef des Flughafens von Khartum, wo sich am Dienstag das jüngste folgenschwere Flugzeugunglück auf afrikanischem Boden ereignete. Ibrahim zufolge war der Airbus A 310 der Sudan Airways nach einem schweren Sandsturm zunächst sicher und ohne größere Probleme in der sudanesischen Hauptstadt gelandet. Während sich die Piloten bereits mit dem Tower über die Parkposition unterhielten, sei dann plötzlich das rechte Triebwerk explodiert. In Minutenschnelle, so Ibrahim, hätten sich die Flammen von der Tragfläche über den Vorderteil des Flugzeugs bis ins Cockpit gefressen.

Andere Augenzeugen berichten hingegen, dass die Landung des zuvor wegen schlechten Wetters nach Port Sudan umgeleiteten Flugs extrem hart gewesen sei. Genau dies könnte nach Ansicht von Luftfahrtexperten auch dazu geführt haben, dass einige Zylinder geborsten seien, was wiederum zu einer Explosion geführt haben könnte.

Am gestrigen Mittwoch herrschte vor allem Verwirrung darüber wie viele Passagiere an Bord verbrannt sind. Nachdem es anfangs hieß, dass sich etwas mehr als die Hälfte der 210 Passagiere über Notrutschen habe retten können, sprachen die Behörden in Khartum am Mittwoch von rund 30 Toten. Begründet wurde die drastisch nach unten korrigierte Todeszahl damit, dass zahlreiche Passagiere offenbar in blinder Panik vom brennenden Wrack fortgerannt und in der Dunkelheit verschwunden waren. Angeblich ist das Schicksal von 15 Passagieren noch ungeklärt. „Es ist schwer, die genaue Zahl der Überlebenden zu ermitteln, weil einige in dem Aufruhr nach dem Brand davonliefen und dabei sogar das Flughafengelände verließen“ sagte ein Sprecher der sudanesischen Luftfahrtsbehörde.

Das Unglück selbst reiht sich ein in eine lange Liste von Flugzeugabstürzen auf afrikanischem Boden. Obwohl der schwarze Kontinent nur einen Anteil von knapp drei Prozent am weltweiten Flugaufkommen hat, wird der Himmel zwischen Kap und Kairo immer gefährlicher. Nach Angaben der internationalen Luftfahrtsagentur Iata entfallen inzwischen fast 20 Prozent aller tödlichen Flugzeugunfälle auf Afrika. Während im letzten Jahr die weltweite Unfallrate im Schnitt bei drei Vorfällen pro einer Million Flüge lag, kommt Afrika auf fast zehn Unfälle pro eine Million Starts. Meist führen mangelnde Kontrolle, die Missachtung von Regeln, schlechte Wartung und überaltertes Material zum Absturz. Die EU hat deshalb vor zwei Jahren 85 afrikanische Fluglinien auf eine schwarze Liste gesetzt. Diese dürfen wegen ihrer schlechten Sicherheitsstandards keine EU-Flughäfen mehr ansteuern. International konkurrenzfähig sind nur ganz wenige von ihnen: Neben der South African Airways (SAA), die inzwischen sogar zur Star Alliance zählt, sind dies die eng mit der KLM kooperierende Kenya Airways sowie die Ethiopian Airlines. Wolfgang Drechsler

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