Flugzeugunglück in Brasilien : Sicherheitsmängel der Landebahn waren bekannt

Nach dem schweren Flugzeugunglück in São Paulo sind bislang 56 Todesopfer geborgen worden. 180 Menschen waren an Bord der Passagiermaschine, die nach der Landung in eine Tankstelle und ein Geschäftsgebäude raste. Der Fluhafenbehörde waren Sicherheitsmängel der Landepiste schon länger bekannt.

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Nach dem Absturz. Die Rettungsarbeiten gingen die ganze Nacht weiter. -Foto: dpa

São PauloNach dem schwersten Flugzeugunglück in der Geschichte Brasiliens beginnt die Suche nach der Ursache. Die Unglückspiste auf dem Flughafen Congonhas in der brasilianischen Stadt São Paulo wies nach Angaben der Flughafenverwaltung Infraero schwerwiegende Mängel auf. Wie Infraero auf ihrer Website mitteilte, wurde die Oberfläche der Hauptlandebahn bereits seit Mitte Mai saniert, um Aquaplaning zu verhindern. Die Bahn sei erst am 29. Juni nach einer ersten Ausbesserungs-Phase auf der gesamten Fläche wieder freigegeben worden. Bei den Bauarbeiten seien unter anderem Unebenheiten und Schäden des Asphalts erneuert worden. In einem zweiten Abschnitt sollte demnach bis September der Regenwasserablauf verbessert werden.

Am Dienstagabend (23:50 Uhr MESZ) war ein Airbus 320 der Fluggesellschaft TAM nach einem fehlgeschlagenen Bremsmanöver auf nasser Landebahn in ein außerhalb des Flughafens liegendes Gebäude gerast. Anschließend brach ein verheerendes Feuer aus. Nach neuesten Meldungen waren 180 Insassen an Bord der Maschine. Zunächst war die Rede von 176 Menschen gewesen. Nach Schätzungen der Feuerwehr kamen rund 200 Menschen ums Leben. Bislang wurden 56 Tote aus dem Wrack geborgen, erklärte ein Mitarbeiter des Zivilschutzes. Nach Angaben von TAM kam in dem Luftfrachtgebäude, in das die Maschine raste, mindestens ein Mitarbeiter ums Leben, sechs weitere werden vermisst.

Mehrere Gebäude evakuiert

Inzwischen sei auch der Flugschreiber gefunden worden, teilte die Fluggesellschaft TAM mit. Der Zivilschutz erklärte unterdessen, am Unfallort seien aus Sicherheitsgründen 27 Gebäude und Häuser evakuiert worden. Es bestehe Einsturzgefahr. Die Rettungsarbeiten seien während der Nacht weitergegangen.

Die Fußball-Erstligamannschaft Gremio Porto Alegre entkam dem Unglück nur knapp. Wie der Vater des Torhüters Sebastian Saja in Interviews erklärte, wollte das Team in Porto Alegre ursprünglich in die Unglücksmaschine steigen. In letzter Sekunde sei eine andere Verbindung bevorzugt worden, sagte Daniel Saja.

Nur einen Tag zuvor kam es fast zu einer Katastrophe

Bereits am Montag war nach Angaben von Infraero ein kleines Flugzeug der Gesellschaft Pantanal mit 21 Passagieren nur knapp an einem Unglück vorbeigeschlittert. Die Propellermaschine schoss demnach wie der Airbus von der Piste, kam aber mit zwei geplatzten Reifen auf dem angrenzenden Grünstreifen zum Stehen. Zuvor habe es den ganzen Tag lang geregnet. Die Landebahn musste daraufhin für 20 Minuten gesperrt werden.

Der Airbus-Konzern hat am Vormittag auf das Unglück reagiert. Der europäische Flugzeugbauer wird fünf Experten nach Brasilien schicken, die das Flugzeugunglück von São Paulo untersuchen sollen. In einer Pressemitteilung teilte das Unternehmen mit, dass Airbus den brasilianischen Behörden jede technische Unterstützung zukommen lassen werde.

Köhler schickt Kondolenzbrief an Lula

Bundespräsident Horst Köhler hat mittlerweile Brasiliens Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und dem gesamten Volk seine "tief empfundene Anteilnahme" ausgesprochen. In einem Kondolenztelegramm schrieb Köhler: "Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen der Opfer, denen in dieser für sie so schweren Zeit unser Mitgefühl gilt." Mit großer Betroffenheit habe er die Nachricht von dem Unglück erhalten, das das Leben so vieler Menschen gefordert habe. Präsident Lula ordnete in Brasilien eine dreitägige Staatstrauer an. (mit dpa/AFP)

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