Welt : Flugzeugunglück in Südkorea: Rettung über Trampelpfade

Harald Maass

Bei Nebel und Regen ist am Montag ein chinesisches Passagierflugzeug mit 166 Insassen an einem Berg in Südkorea zerschellt. Mindestens 115 Menschen kamen ums Leben, 39 überlebten den Absturz, wie das südkoreanische Transportministerium mitteilte. Weitere 12 Menschen wurden am Abend (Ortszeit) an der Absturzstelle in der Nähe der Großstadt Pusan noch vermisst. Die genaue Unglücksursache war noch unklar. Die zweitgrößte Stadt des Landes an der Südostküste der koreanischen Halbinsel ist einer der Spielorte für die Fußball-Weltmeisterschaft, die am 31. Mai beginnt. Dazu werden auch zehntausende WM-Besucher aus China erwartet.

"Es herrschte totale Verwirrung", sagte ein Ambulanzsanitäter, der als einer der ersten zur Unglücksstelle kam. Auf Fernsehbildern waren von dem Flugzeug nur noch brennende Einzelteile zu sehen. Einige der Verletzten mussten von den Helfern Huckepack über Trampelpfade getragen werden, da Hubschrauber und Rettungsfahrzeuge keinen Zugang hatten.

Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap saßen die meisten Überlebenden in der ersten Klasse und im vorderen Teil des Flugzeugs. Die Passagiere seien kurz vor dem Zusammenprall noch mit einer Durchsage gewarnt worden. "Mir wurde schwindlig und duckte meinen Kopf, deshalb weiß ich nicht, was passierte", berichtete eine ältere Frau, die den Absturz überlebte, mit blutüberströmten Gesicht im koreanischen Fernsehen.

Der Pilot der Unglücksmaschine habe auf Grund des starken Winds Probleme bei der Landung gehabt, sagte der stellvertretende südkoreanische Transportminister Choo Byuung Jik. Einen erster Versuch bei schlechter Sicht und Nebel brach er ab. Beim zweiten Anflug sei das Flugzeug in ein Waldgebiet in unmittelbarer Nähe eines Wohnviertels der Stadt Kimhae gestürzt. Durch die Wucht des Aufpralls wurden Augenzeugen zufolge hunderte Bäume gefällt und brennende Wrackteile über die gesamte Unglücksstätte hinweg geschleudert.

Bei strömendem Regen schlugen Rettungskräfte zwei Schneisen zu der Unglücksstätte. Erst etwa vier Stunden nach dem Absturz konnten die Flammen gelöscht werden. Vereinzelt waren noch Explosionen aus dem Wrack zu hören. Über noch rauchende Leichname hinweg suchten Helfer nach weiteren Opfern. Einige Überlebende retteten sich zu Fuß aus den Trümmern, andere wurden von den Einsatzkräften durch kniehohen Schlamm den 400 Meter hohen Berg hinab getragen.

"Ich wurde durch eine heftige Explosion geweckt und hing plötzlich in einem Baum", berichtete einer der Überlebenden, der 46-jährige Suh Jun Shik. "Über Lautsprecher wurde die Landung angekündigt, Musik fing an zu spielen. Fünf Minuten später wurde alles zerschmettert", schildert ein anderer Passagier die letzten Sekunden an Bord.

Die Verletzten, die zum Teil schwere Verbrennungen davon trugen, seien auf umliegende Krankenhäuser verteilt worden, teilten die südkoreanischen Behörden mit. Bis in den Abend suchten Rettungstrupps in den Trümmern nach weiteren Überlebenden.

Das Unglück, wenige Wochen vor dem Anpfiff der Fußball Weltmeisterschaft, wirft ein Schlaglicht auf die Flugsicherheit in Südkorea. Die US-amerikanische Flugsicherheitsbehörde FAA stufte das Land im August vergangenen Jahres von der höchsten Sicherheitsstufe auf Kategorie II herunter. Südkorea würde internationale Sicherheitsstandards nicht ausreichend umsetzten, kritisierte die Behörde.

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