Flugzeugunglück : Mädchen überlebt Airbus-Absturz vor Komoren

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen ist ein Airbus verunglückt: Das Flugzeug der Yemenia Air mit 153 Menschen an Bord stürzte kurz vor der Landung auf den Komoren ins Meer. Einsatzkräfte haben ein 14-jähriges Mädchen aus dem Indischen Ozean gerettet. Die Unglücksursache ist unklar, offenbar wies die Maschine aber erhebliche Mängel auf.

Johannesburg/SanaaNach dem Absturz eines jemenitischen Verkehrsflugzeugs vom Typ Airbus A310 mit 153 Menschen an Bord ist ein 14-jähriges Mädchen vor der Küste der Komoren gerettet worden. Das bestätigte das komorische Verkehrsministerium der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Sprecher der jemenitischen Zivilluftfahrtbehörde in Jemen, Mohammed Abdulkadir, hatte zuvor von einem fünf Jahre alten Jungen gesprochen.

Nach offiziell unbestätigten Berichten aus Moroni soll das Mädchen ebenso wie die mittlerweile geborgenen zwei Leichen eine Rettungsweste getragen haben. Das Kind war von einem der Boote geborgen worden, die vor der Hauptstadt Moroni im Indischen Ozean nach dem Wrack suchten.

Am frühen Dienstagmorgen war innerhalb von vier Wochen ein zweiter Airbus verunglückt: Das Flugzeug der Yemenia Air mit 153 Menschen an Bord – darunter 66 Franzosen und drei Kleinkinder – war kurz vor der Landung auf der Inselgruppe der Komoren ins Meer gestürzt. Das Unglück ereignete sich nach Angaben der regionalen Luftfahrt-Aufsicht Asecna etwa 20 Kilometer vor der Hauptinsel. Das Flugzeug habe sich bei den Fluglotsen noch zur Landung angemeldet, sagte ein UN-Mitarbeiter auf dem Flughafen in der Inselhauptstadt Moroni. Danach sei der Kontakt abgebrochen.

Zahlreiche Boote beteiligten sich an der Suche nach weiteren Überlebenden, darunter auch zwei französische Militärschiffe und ein Transportflugzeug. "Die Transall wird derzeit vorbereitet, es werden Ärzte und Taucher an Bord sein", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Paris, wo ein Krisenstab eingerichtet wurde. Das Patrouillenboot La Rieuse sowie die Fregatte Ventôse, die unter anderem einen Hubschrauber an Bord hat, sollen am Mittwoch in dem Absturzgebiet wenige Kilometer vor der Küste eintreffen. Die Koordination übernimmt die Präfektur der französischen Insel Réunion. Die Bedingungen für die Suche sind allerdings nicht gut. "Das Wetter ist windig und regnerisch. Die See ist sehr rau", teilte die Asecna mit.


Die genaue Unglücksursache ist noch unklar. Offenbar spielte das schlechte Wetter während des Landeanflugs eine große Rolle. Unbestätigt blieben Informationen, wonach der Pilot deswegen noch kurz vor dem Absturz ein Durchstart-Manöver eingeleitet habe. In dem Gebiet war es in der Nacht sehr windig und regnerisch. Airbus sagte seine Unterstützung bei der Aufklärung der Unfallursache zu. Ein Expertenteam sei bereits unterwegs zu den Komoren.

Der Airbus der staatlichen Fluggesellschaft Yemenia Air war 19 Jahre alt und hat bei einer Überprüfung 2007 zahlreiche Mängel aufgewiesen. Dies erklärte der französische Verkehr-Staatssekretär Dominique Bussereau dem Sender i-télé. Demnach stand Yemenia seit einiger Zeit unter Beobachtung der französischen Behörden. "Yemenia war nicht auf der schwarzen Liste, aber wir haben sie im Auge gehabt. Sie sollte demnächst von einem Sicherheitskomitee der EU überprüft werden."

Französischen Angaben zufolge kam das Unglücksflugzeug aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Ein Teil der Passagiere war vom Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle über Marseille in den Jemen geflogen und dort in den Airbus umgestiegen. Bei Abflug befanden sich 142 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder an Bord, darunter zahlreiche Transitpassagiere aus Frankreich. Bei vielen von ihnen soll es sich um Komorer gehandelt haben, die im Ausland leben und arbeiten und unterwegs zu einem Heimatbesuch waren.

Es ist bereits der zweite Absturz eines Airbus innerhalb von vier Wochen. Eine Maschine des Typs A 330 war am 1. Juni auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich in den Atlantik gestürzt. Keiner der 228 Menschen an Bord – darunter 28 Deutsche – überlebte. Wie es zu der Katastrophe kam, ist ungeklärt. Experten vermuten, dass Mängel an den Geschwindigkeitssonden zum Absturz beigetragen haben könnten.

Die drei Inseln der Komoren liegen vor der ostafrikanischen Küste zwischen Mosambik und Madagaskar. Mit einer Fläche von knapp 1900 Quadratkilometern ist der tropische Inselstaat etwa halb so groß wie die spanische Ferieninsel Mallorca. Bereits 1996 stürzte dort eine Boeing 767 mit 175 Menschen an Bord ins Meer, 50 davon überlebten. Das Flugzeug gehörte einer äthiopischen Gesellschaft und war zuvor gekidnappt worden.


ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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