Flugzeugunglück : Passagier-Maschine in Venezuela abgestürzt

In Venezuela ist am Dienstag ein kolumbianisches Passagierflugzeug abgestürzt. Alle 160 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Buenos Aires/Caracas (16.08.2005, 18:29 Uhr) - Beim zweiten schweren Flugzeugunglück innerhalb von 48 Stunden sind am Dienstag in Venezuela alle 160 Menschen an Bord einer kolumbianischen Chartermaschine ums Leben gekommen. Anders als bei dem mysteriösen Absturz bei Athen mit 121 Opfern waren die Gründe des Unglücks in Venezuela jedoch relativ klar. Der Pilot berichtete in einem Notruf am frühen Morgen von Problemen mit den beiden Triebwerken der McDonnell Douglas MD-82 und bat noch um die Genehmigung für eine Notlandung. Dann brach der Funkkontakt zu der Maschine mit der Kennung HK-4374 jedoch ab.

Anwohner der Absturzstelle im Nordwesten des Landes berichteten, die Maschine habe noch mehrere Schleifen über dem bewaldeten Gebiet geflogen. Kurz darauf habe es eine gewaltige Explosion gegeben. Zum Zeitpunkt des Unglücks sei ein Unwetter mit starkem Regen und heftigen Winden über die Region hinweggezogen.

Das Flugzeug der regionalen Fluggesellschaft West Caribbean Airways war in Panama mit 152 Urlaubern aus der zu Frankreich gehörenden Antilleninsel Martinique gestartet. Sie wollten nach einem Urlaub zurück in die Heimat. Die acht Besatzungsmitglieder kamen aus Kolumbien. Etwa eine Stunde nach dem Start begannen die Probleme mit den Triebwerken. Die meisten der Passagiere wurden im Schlaf überrascht, als das Flugzeug in den Sturzflug überging. Nach Angaben der Flugsicherung in Venezuela fiel der vollbesetzte Jet wie ein Stein vom Himmel.

Von der Maschine wurden nur rauchende Trümmer gefunden. Nach Berichten venezolanischer Journalisten war die Heckflosse das einzige größere Trümmerteil. Der Rest der Maschine war auf einer Fläche von etwa einem Kilometer Durchmesser verteilt. Die Identifikation der Opfer sei äußerst schwierig, hieß es. Auch die Flugschreiber seien noch nicht gefunden worden.

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac reagierte «mit großer Bestürzung» auf den «schrecklichen Flugzeugabsturz». Dabei sei «eine große Zahl von Franzosen ums Leben gekommen», sagte Chirac nach Angaben des Präsidialamtes in Paris. Im französischen Außenministerium wurde ein Krisenstab eingerichtet, um Angehörige zu informieren.

Die Unglücksmaschine war vor einiger Zeit für vier Tage auf Anweisung des Herstellers wegen technischer Probleme still gelegt worden, berichtete der Nachrichtensender CNN. Vor dem Abflug aus Panama habe es jedoch keine Probleme gegeben und auch nach Angaben des französischen Verkehrsministers Dominique Perben wurde sie in den vergangenen sechs Monaten zwei Mal von französischen Behörden auf Martinique kontrolliert. Dabei seien keine Mängel festgestellt worden.

Die Gesellschaft West Caribbean Airways war 1998 gegründet worden und hatte ihren Flugbetrieb 2000 aufgenommen. Die regionale Fluglinie hat ihren Sitz in der kolumbianischen Großstadt Medellín. Erst am 26. März dieses Jahres waren bei dem missglückten Start einer Maschine der Fluggesellschaft von Providencia in Kolumbien die beiden Piloten und sechs der zwölf Passagiere ums Leben gekommen. Bei weiteren kleineren Zwischenfällen war niemand zu Schaden gekommen.

Die meisten Klagen, die bei der kolumbianischen Zivilluftfahrtbehörde im vergangenen Jahr eingingen, betrafen die hoch verschuldete West Caribbean Airways. Auch das Alter des Co- Piloten der abgestürzten Maschine sorgte für Überraschung. Er war erst 21.

In Griechenland war die Unglücksmaschine am Sonntagmittag mit Autopilot vermutlich in rund 10 Kilometern Höhe so lange über Athen gekreist, bis der Treibstoff ausging. Zahlreiche Menschen an Bord des Flugzeuges waren nach Erkenntnissen vom Dienstag trotz längeren Geisterflugs bis zum Zeitpunkt des Aufpralls am Leben. «Ihr Herz schlug und sie atmeten», sagte ein Gerichtsmediziner nach der Untersuchung von rund 20 der 121 Opfer in Athen. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie noch bei Bewusstsein waren. Aufschluss darüber sollen Gewebetests bringen. Der Stimmenrekorder, das wichtigste Gerät zur Ermittlung der Absturzursache, fehlt dort noch. Entgegen ersten Meldungen wurde nur das leere Gehäuse gefunden. (Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa)

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