Flugzeugunglück : Wieder ein Airbus: Mädchen überlebt Absturz

141 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder starben bei einem Flugzeugabsturz vor den Komoren. Ein 14 Jahre altes Mädchen konnte lebend geborgen werden. Die Unglücksmaschine war in Europa beanstandet worden.

Rainer W. During
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Gerade einmal einen Monat ist es her, dass ein Airbus ins Meer stürzte, da verunglückt eine weiterer Airbus auf gleiche Weise. 141 Passagiere und elf Besatzungsmitglieder sind am Dienstag ums Leben gekommen. Ein 14 Jahre altes Mädchen konnte lebend geborgen werden. Der Teenager hatte sich Berichten zufolge stundenlang verzweifelt an ein Wrackstück geklammert. Nach unbestätigten Angaben soll das Mädchen zudem eine Rettungsweste getragen haben. Der Airbus A310 der Yemenia war beim Landeanflug auf Moroni, dem Flughafen der vor der afrikanischen Ostküste liegende Komoreninseln, nach Zeugenaussagen brennend in den Indischen Ozean gestürzt. An der Unglücksmaschine waren bereits 2007 in Frankreich schwere Mängel festgestellt worden.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes gibt es bisher keine Hinweise auf Deutsche unter den Passagieren. Dagegen befanden sich 66 französische Staatsbürger an Bord. Sie waren mit einem anderen Flug der Yemenia von Paris und Marseille aus in die jemenitische Hauptstadt Sanaa geflogen und dort in den Unglücksflug IY 636 umgestiegen. Viele der Opfer sollen von den Komoren stammen, die einst eine französische Kolonie waren. Da es keine Nonstopflüge aus Frankreich gibt, war der Flug über den Jemen für sie die günstigste Umsteigeverbindung.

Der Jet befand sich nach einer Zwischenlandung in Djibouti kurz vor Moroni, als der Kontakt abbrach. Auf den Komoren war es zum Unglückszeitpunkt diesig bei stürmischem Wind und hohem Wellengang. Unbestätigten Berichten zufolge soll die Besatzung bei einem ersten Landeversuch durchgestartet sein und einen zweiten Anflug versucht haben. Ein Suchflugzeug sichtete später rund 20 Kilometer vor der Küste zunächst Wrackteile und drei im Wasser treibende Leichen. „Wir setzen sämtliche vorhandenen Mittel ein, Schiffe, Schlauch- und Fischerboote“, sagte Flughafenchef Hadschi Mohammed Ali im Rundfunk.

Über die Unfallursache gab es zunächst keinerlei Erkenntnisse. Die Katastrophe ereignete sich vier Wochen, nachdem ein Airbus A330 der Air France mit 228 Menschen an Bord auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in der Luft zerbrochen und ins Meer gestürzt war. Morgen soll ein erster Unfallbericht vorgestellt werden.

Der am Dienstag verunglückte Airbus mit dem Kennzeichen 7O-ADJ war 1990 für die französische Fluggesellschaft Air Liberté gebaut und 1997 an die mexikanische Aerocancun abgegeben worden. 1999 übernahm Yemenia die Maschine, die bei 17 300 Flügen insgesamt 51 900 Flugstunden absolviert hatte. Laut französischen Medienberichten waren bei einer Kontrolle des A310 durch die französische Luftfahrtbehörde 2007 zahlreiche Mängel festgestellt worden.

Seit 1996 kontrollieren die EU-Staaten ausländische Verkehrsflugzeuge bei sogenannten „Ramp-Checks“ auf ihre Betriebssicherheit. Dabei wurden laut einem Bericht der EU-Kommission vom Juli 2008 an den Maschinen der Yemenia bei Landungen in Deutschland, Frankreich und Italien gravierende Mängel festgestellt. Man habe „stichhaltige Beweise“ dafür, dass die Gesellschaft „bestimmte Sicherheitsnormen“ nicht einhalte. Yemenia kam nur deshalb nicht auf die „Schwarze Liste“ der von der EU mit einem Einflugverbot belegten Airlines, weil sie mit Unterstützung des Flugzeugherstellers Airbus einen Maßnahmenkatalog zur Abstellung der Unzulänglichkeiten vorlegte. Die jüngsten Vorfeldinspektionen hätten erkennen lassen, „dass das Unternehmen seinen Plan zur Mängelbehebung in den Bereichen Instandhaltung und Betriebsdisziplin umgesetzt hat und damit dem Wiederauftreten schwerer Sicherheitsmängel dauerhaft vorgebeugt wird“, so ein weiterer Bericht vom 15. November. Der 2007 bemängelte und jetzt verunglückte A310 flog seitdem aber nicht mehr in die EU und konnte deshalb hier auch nicht erneut überprüft werden. Auf den Europa-Strecken setzt Yemenia neuwertige Airbus A330 ein.

Zwei Maschinen des jetzt verunglückten Typs dienen in Deutschland als Regierungsmaschinen, mit denen auch Bundeskanzlerin Merkel fliegt. Sie wurden einst von der DDR-Fluggesellschaft Interflug übernommen.

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