Flut in Thailand : Wie geht das Land mit der Katastrophe um?

Auch Sandsäcke können die Flutwelle nicht aufhalten: Das Wasser überrollt Bangkok. Der Schaden ist schon jetzt verheerend. Und es soll weiter regnen.

von
Essensausgabe für Flutopfer. Die Empörung über die Ungleichbehandlung steigt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
30.10.2011 20:54Essensausgabe für Flutopfer. Die Empörung über die Ungleichbehandlung steigt.

BangkokAutos, Lkw und Motorräder schieben sich durch das knietiefe, schmutzige Wasser der Straßen im Norden Bangkoks, das braun ist und Blasen schlägt. Ein beißender Geruch nach Öl und Fäkalien durchzieht die schwül-heiße Luft. Freiwillige und Polizisten leiten den Verkehr durch die Wassermassen, die die Stadt in den vergangenen Tagen geflutet haben.

Wie dramatisch ist die Lage?

Nicht nur die Anwohner im Norden Bangkoks sind von den Wassermassen überrascht worden. Auch der nahe gelegene Don-Muang-Regionalflughafen musste am Dienstag seinen Betrieb einstellen, nachdem eine Flutbarriere geborsten war und das Wasser die Landebahnen überschwemmt hat. Der Vorfall zeugt in drastischer Weise davon, wie sehr die Behörden den Kampf gegen die Fluten aus dem Norden des Landes derzeit verlieren. Denn die Flut-Koordinierungszentrale der Regierung befindet sich in einem der Flughafengebäude.

Im Juli haben ungewöhnlich starke Regenfälle große Gebiete im Norden und Nordosten des Landes unter Wasser gesetzt. In den vergangenen zwei Wochen hat das Wasser auf dem Weg in Richtung Süden mindestens fünf große Industriegebiete überschwemmt. Tausende von Fabriken, unter ihnen Produktionsanlagen von Konzernen wie Honda, Toyota und Canon, wurden überflutet.

Doch Bangkok steht das Schlimmste erst noch bevor. Auf Satellitenaufnahmen ist zu sehen, dass Thailands Hauptstadt – die im Süden an das Meer grenzt – von allen Seiten von den Wassermassen eingeschlossen ist. Am Wochenende soll es im Meer vor Bangkok ein ungewöhnlich starkes Tidehochwasser geben, der Meeresspiegel wird dadurch höher ansteigen als gewohnt. Der Chao-Phraya-Fluss, der sich durch die gesamte Hauptstadt schlängelt, wird dann Berechnungen zufolge auf 2,60 Meter Höhe ansteigen, zehn Zentimeter höher als die bereits mehrfach erhöhten Flussdeiche. Dann drohen auch Bangkoks Innenstadt schwere Überschwemmungen.

Die Behörden hatten zwar versucht, die Stadt – die für rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aufkommt – vor den Wassermassen abzuschirmen. Riesige Deichanlagen sollten das Wasser aufhalten. Das Hochwasser sollte über fünf neu gegrabene Kanäle und durch unterirdische Tunnel östlich und westlich an der Hauptstadt vorbei ins Meer abgeleitet werden. Doch der Plan scheint nicht aufzugehen. Daher hat Premierministerin Yingluck Shinawatra vor wenigen Tagen in einem dramatischen Appell die Bewohner Bangkoks dazu aufgerufen, die Hauptstadt über das Wochenende zu verlassen. Hierfür hat die Regierung Donnerstag bis Montag zu Feiertagen erklärt. Zigtausende Menschen sind dem Aufruf gefolgt und haben sich vor allem in den Strandorten Hua Hin und Pattaya einquartiert, die beide nur wenige Stunden von Bangkok entfernt liegen.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was die Ursachen und die Folgen der Katastrophe sind.

Seite 1 von 2
  • Wie geht das Land mit der Katastrophe um?
  • Seite
Artikel auf einer Seite lesen

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben