Foltermord : Pfarrer erhebt schwere Vorwürfe gegen Gefängnisleiter

Nach dem Foltermord an einem 20-jährigen Häftling hat der ehemalige Gefängnispfarrer der JVA Siegburg den Leiter der Einrichtung scharf kritisiert. Es reiche nicht aus, Häftlinge "wie Zootiere zu verwahren".

München/Siegburg - "Der Anstaltsleiter trägt für die Missstände der JVA die volle Verantwortung", sagte der evangelische Pfarrer Rudolf Hebeler der "Rheinischen Post". Die Gefangenen würden am Wochenende "in ihren Subkulturen allein gelassen". Viele Insassen hätten dann Angst, allein mit ihren Mithäftlingen in der Zelle zu bleiben.

Weil es in der Haftanstalt zu wenig Personal gegeben habe, sei die Besuchszeit an den Wochenenden gestrichen worden, sagte Hebeler der Zeitung. Diese Zustände "provozieren Gewalt", kritisierte der Pastor. Es reiche nicht aus, Häftlinge "wie Zootiere zu verwahren".

Der gewaltsame Tod des Gefangenen geht nach Angaben eines der Täter auf die Initiative eines 17 Jahre alten Zellengenossen zurück. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag vorab meldete, sagte der 20-jährige Ralf A. im Verhör, Danny K. habe am Mittag des 11. November das Startsignal für die stundenlangen Folterungen des Häftlings Herrmann H. gegeben. Ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Bonn wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Laut "Focus" sagte der 20-jährige Beschuldigte, zunächst habe man das Opfer nur geschlagen. Am frühen Abend habe Danny K. - verurteilt wegen Körperverletzung und Raubes - den Gequälten dann zu oralem Verkehr aufgefordert. Mit immer neuen Folterandrohungen habe man den Wehrlosen dazu gebracht, sich zu strangulieren, sagte der 20-Jährige laut "Focus".

Dessen Strafverteidiger Uwe Krechel sagte zum Motiv seines Klienten: "Mein Mandant hat nur mitgemacht, weil er selbst nicht zum Opfer werden wollte." Im Gefängnis könne dies schnell geschehen. (tso/ddp)

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