Welt : Fordert die Vogelgrippe das erste Todesopfer?

Nach der epidemieartigen Verbreitung der Seuche in Thailand verhängt EU Importstopp von Geflügelfleisch. Die Weltgesundheitsorganisation sieht Anlass zur Sorge

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Von Moritz Kleine-Brockhoff,

Jakarta

Es ist doch die Vogelgrippe, die in Thailand Hühner krank macht. Und auch Menschen haben sich angesteckt, genau wie in Vietnam. Lange hatten thailändische Regierungsbeamte, allen voran Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, beteuert, ihr Land sei frei von der Krankheit, die auch Geflügelpest genannt wird. Seit Monaten sterben in Thailand viele Hühner, weil sie krank waren oder weil man sie vorsorglich tötet. „Durchfall nach Wetterumschwung“, „Bronchitis“, „Choleraepidemie“ – die Liste der offiziellen Begründungen war lang. Ein Senator und der Präsident eines Verbraucherverbandes hatten den Behörden vor einer Woche Vertuschung vorgeworfen, sie glaubten, dass in Wahrheit die Vogelgrippe für das Hühnersterben verantwortlich sei. Nun sieht Thailands Regierung nicht gut aus. Der Vertuschungsvorwurf wird zwar nach wie vor zurückgewiesen, aber das Agrarministerium räumt jetzt ein, dass das Geflügelpestvirus H5N1 unter Hühnern aufgetaucht sei. Und der Gesundheitsminister bestätigt, dass zwei Jungen sich infiziert hätten. Ein Sechs- und ein Siebenjähriger seien in stabilem Zustand. Am Freitag starb ein Mann mit Grippesymptomen, Ärzte vermuten, dass er Vogelgrippe hatte, Testresultate stehen aber noch aus. Zwei weitere Patienten mit ähnlichen Symptomen werden beobachtet.

Die EU stoppte alle Importe von Geflügelfleisch aus Thailand. Dort hat die Epidemie besonders schlimme Folgen für die Wirtschaft. Das Land gehört zu den fünf größten Geflügelexporteuren der Welt. Jährlich wird so mehr als eine Milliarde US-Dollar eingenommen, nun ist die Ausfuhr gestoppt. Einige Millionen Hühner sind schon getötet worden, viele sollen folgen. Aber wie viele? Thailand züchtet pro Jahr eine Milliarde Hühner, die Hälfte ist für den Export bestimmt.

Wenige Stunden nach der Vogelgrippenmeldung aus Thailand gab im Nachbarland Kambodscha ein Beamter des Landwirtschaftsministeriums bekannt, dass das H5N1-Virus auch in seinem Land gefunden worden sei, Tests in einem französischen Labor hätten das ergeben. Auf einem Bauernhof in der Nähe der Hauptstadt Phnom Penh seien Hühner erkrankt, Menschen hätten sich nicht angesteckt.

Das Vogelgrippevirus ist unter Hühnern hoch ansteckend und fast immer tödlich, Menschen infizieren sich ganz selten. Nun gibt es in gleich zwei Ländern, in Thailand und Vietnam, Vogelgrippepatienten. Außerdem ist das Virus seit Ende vergangenen Jahres unter Hühnern in vier weiteren Ländern aufgetaucht: in Südkorea, Japan, Taiwan und jetzt auch in Kambodscha. „Das gab es noch nie, wir machen uns Sorgen“, sagte Dick Thompson, Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem britischen Rundfunksender BBC. Gleichzeitig sehe er keine Lebensmittelgefahr, meinte Thompson. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Menschen nicht beim Essen von gekochtem oder gebratenem Geflügel anstecken können, Hitze tötet offenbar das Virus.

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