Welt : Fort Worth nimmt Abschied

Tausende von Menschen gedachten in einem Massengottesdienst der Opfer des Amokläufers

Vier Tage nach dem Blutbad in einer Kirche in Fort Worth in Texas haben Tausende von Menschen in einem Massengottesdienst der Opfer gedacht. Sie versammelten sich am Sonntag in einem Footballstadion der Stadt. Pastoren, Lehrer, Schüler und Politiker riefen dabei die Bevölkerung der Stadt auf, Schock und Trauer mit Zusammenhalt und Nächstenliebe zu überwinden.

Der 47 Jahre alte Larry Gene Ashbrook hatte am Mittwochabend einen Jugendgottesdienst in Fort Worth gestürmt, aus zwei Pistolen um sich geschossen und eine Rohrbombe zur Explosion gebracht. Sieben Gottesdienstbesucher starben. Vier der Opfer wurden am Sonntag beerdigt, die drei anderen Todesopfer sollten am Montag begraben werden. Ashbrook, der nach Erkenntnissen der Polizei geistesgestört war, erschoss sich nach der Tat in der Kirche. Drei Menschen liegen noch schwer verletzt im Krankenhaus.

Die Gemeinde der Wedgewood Baptist Church, in der sich das Blutbad ereignet hatte, kam am Sonntag in ihrer Kirche zu einem Gottesdienst zusammen. Die Spuren der Tat waren in der Zwischenzeit bereinigt worden: Der blutverschmierte Teppichboden war in den vergangenen Tagen ersetzt worden, die von Schüssen durchlöcherten Bänke wurden ausgetauscht. Der Pastor der Baptistenkirche, Reverend Al Meredith, sagte: "Wenn uns Übeltäter daran hindern, hier zu beten, haben sie gewonnen. Wir werden unseren Schmerz überwinden. Niemals zuvor waren wir stärker vereint, haben wir intensiver gebetet oder haben wir mehr geliebt."

Einer der Jungen, die bei dem Blutbad getötet wurden, ist mit laufender Videokamera in der Hand gestorben. Vom Videoband des 17-jährigen Justin Ray erhoffen sich die Ermittlungsbehörden nach Medienberichten jetzt Aufschluss über den 47-jährigen Larry Gene Ashbrook.

Ray hatte noch gefilmt, nachdem bereits die ersten Schüsse in der Kirche gefallen waren. Der Polizeichef von Fort Worth, Ralph Mendoza, sagte nachdem er den Film gesehen hatte: "Der Täter ging ganz langsam, mit der Schusswaffe am ausgestreckten Arm. Er nahm ein Magazin heraus, lud nach und schoss weiter. Es geschah nicht schnell. Es war langsam und mit Methode, er schien nicht besorgt zu sein, nicht in Panik. Er stand einfach da und feuerte Schuss um Schuss um Schuss."

Nach Mendozas Worten ging Ray offenbar nicht in Deckung und filmte weiter, weil er nicht erkannte, dass er in Lebensgefahr schwebte. Viele Augenzeugen hatten nach dem Blutbad in der Baptistenkirche berichtet, sie hätten das Auftreten des Täters zunächst für einen Sketch gehalten. Sie hätten gedacht, es handele sich um eine Theateraufführung innerhalb des Gottesdienstes.

Präsident Clinton rief erneut zu schärferen Waffenkontrollgesetzen auf. Der Gouverneur von Texas, der voraussichtlich der nächste republikanische Präsidentschaftskandidat wird, George Bush Jr., erklärte dagegen, nicht lasche Gesetze seien schuld, sondern "böse Menschen".
© 1999

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