Frachter verschwunden : Piraten in der Ostsee?

Ein finnischer Frachter ist nach einer Fahrt durch den Ärmelkanal spurlos verschwunden. Seeräuber sollen das Schiff Ende Juli in der Ostsee gekapert haben.

André Anwar
Arctic_Sea
Die auf Malta registrierte "Arctic Sea". -Foto: dpa

Stockholm - Die „Arctic Sea“, die Holz im Wert von 1,3 Millionen Euro geladen hat, hatte Ende Juli zum letzten Mal Funkkontakt zu den britischen Behörden. Am 4. August war sie in Algerien erwartet worden, aber nicht angekommen. Das Schiff fährt unter maltesischer Flagge, die Besatzung besteht aus 15 Russen. Vier Tage vor dem letzten Kontakt ist die Crew nach eigenen Angaben in der Ostsee vor Schweden überfallen worden.

„Wer hätte gedacht, dass ein gekapertes Schiff durch eines der polizeilich best- überwachten und dichtest befahrenen Gewässer der Welt entkommen kann?“, sagte Mark Clark von der britischen Küstenwache. Die Seeräuber sollen das Schiff am 24. Juli in der Ostsee gekapert haben. Die Seeräuber gelangten auf den Frachter, indem sie sich als Drogenfahnder ausgaben. Auf die Außenwände ihres Schnellboots hatten die maskierten, schwarz gekleideten und schwer bewaffneten Seeräuber in weißer Farbe das Wort „Polis“ (schwedisch für Polizei) gesprüht. Nach Angaben des Chefs der finnischen Rederei Solchart Management, Viktor Matwejew, der Funkkontakt zur Besatzung hatte, sei das Schiff nach dem Vorfall wieder auf Kurs zum Zielhafen gewesen. Die Piraten seien nach 12 Stunden ohne Beute geflohen. Doch scheinen die Piraten das Schiff nie verlassen zu haben. Sie sollen die Besatzung dazu gezwungen haben, über Funk falsche Angaben zu machen.

Das letzte Radarbild der „Arctic Sea“ stammt vom 30. Juli im Ärmelkanal, zwischen Großbritannien und Frankreich. Nun ist sie spurlos verschwunden. „Die Besatzung kann bedroht worden sein, als sie in Funkkontakt mit uns stand“, sagte Fred Gill von der Küstenwache. „Ich finde es ein wenig merkwürdig, dass uns keine Behörde kontaktiert hat, bevor das Schiff den Kanal passiert hat“, sagte er. Die schwedische Polizei sagt, die Piraten seien ja wieder abgezogen. „Ich habe noch nie zuvor etwas über so einen vergleichbaren Fall in Schweden gehört“, sagt der Ermittler Ingemar Isaksson von der schwedischen Kriminalpolizei.

Die britische Küstenwache vermutet die „Arctic Sea“ irgendwo vor der portugiesischen Küste. Dort soll nach Gills Angaben ein Suchflugzeug der Küstenwache das Schiff vor kurzem gesichtet haben. André Anwar

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