Welt : Fragen bleiben

Madeleines Eltern sind weiter unterwegs – und britische Medien sind empört über deutsche Skepsis

Oliver Bilger[London]

Die britische Boulevardzeitung „The Sun“ fand deutliche Worte nach der Pressekonferenz von Madeleines Eltern in Berlin. Kate und Gerry McCann hatten am Mittwoch deutsche Portugal-Urlauber um Hilfe bei der Suche nach ihrer vierjährigen Tochter gebeten. Doch die Frage einer deutschen Radioreporterin verursachte Entrüstung in Großbritannien. „Wie gehen Sie damit um, dass immer mehr Menschen mit dem Finger auf Sie zeigen und sagen ,Wie Sie sich verhalten ist nicht die Art und Weise, wie man sich normalerweise verhält, wenn das Kind entführt wird‘ – und damit implizieren, dass Sie etwas damit zu tun haben könnten?“, wollte die Journalistin in Bezug auf kursierende Gerüchte wissen.

Am Tag darauf nannte die „Sun“, die Äußerung der Reporterin eine „Beleidigung für Madeleines Mutter“. Der „Daily Mirror“ bezeichnete die Frage als „verachtenswürdig“ und schrieb von einer „grausamen Verunglimpfung“. Die Reaktionen der McCanns beschrieben die Zeitungen als „fassungslos“, „schockiert“ und „entsetzt“.

Madeleines Eltern wiesen den mit der Frage genannten Vorwurf, dass sie in die Entführung ihrer Tochter verwickelt sein könnten, vehement zurück. „Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass dies der Fall ist“, erwiderte Kate McCann. Nur eine sehr kleine Minderheit würde ihre groß angelegte Suchaktion nach dem seit fast fünf Wochen verschwundenen Mädchen kritisieren. Vater Gerry McCann ergänzte, seine Frau und er seien „auf gar keinen Fall in die Entführung verwickelt“. McCann weiter: „Ich habe noch nie zuvor gehört, dass uns jemand für Verdächtige hält.“ Dies gelte auch für die Polizei in Portugal. In seinem Internet-Blog www.findmadeleine.com schrieb der 39-Jährige später: „Hoffentlich haben unsere Antworten jeden Zweifel beseitigt.“

Die McCanns waren nach Berlin gereist, um Portugal-Urlauber aus Deutschland um Unterstützung bei der Suche nach der Vierjährigen zu bitten. Touristen, die in der Zeit vor der Entführung am 3. Mai nahe dem portugiesischen Ferienort Praia da Luz waren, sollten ihre Digitalfotos auf die Internetseite www.madeleine.ceopupload.com laden. Möglicherweise könnten die Fotos Hinweise auf die Entführung enthalten. Mit der gleichen Bitte reisten die McCanns anschließend weiter nach Amsterdam. Kurz vor ihrer Weiterreise von Berlin in die Niederlande kamen Hoffnungen auf einen möglichen Durchbruch bei den Ermittlungen auf, die mittlerweile jedoch wieder stark gedämpft wurden. Britische Medien berichteten am Freitag von einem „glaubwürdigen Anruf“: Ein Mann habe sich bei der Polizei in Spanien gemeldet und behauptet zu wissen, wo Madeleine sei. Dann forderte der Unbekannte, mit den McCanns zu sprechen. Der anonyme Anrufer soll die spanischen Behörden von einem nicht registrierten Pre-Paid-Mobiltelefon außerhalb Europas angerufen haben, hieß es weiter. Der Mann habe sich am Mittwochnachmittag gemeldet. Die McCanns verschoben daraufhin vorerst ihren Weiterflug nach Amsterdam. Drei Stunden warteten sie in der britischen Botschaft in Berlin, dass sich der Unbekannte erneut meldet. Ihre Hoffnungen wurden jedoch enttäuscht, das Telefon blieb stumm. Versuche, erneut Kontakt herzustellen, würden fortgesetzt, zitierte die „Times“ eine Quelle aus Polizeikreisen. Unbekannt blieb hingegen vorerst, warum die Polizei den Anrufer für glaubhaft halte.

Mittlerweile werde jedoch auch ein Scherz nicht ausgeschlossen. Der spanische Innenminister dementierte, dass es einen solchen Anruf gegeben habe, die portugiesische Polizei verweigerte jeden Kommentar dazu.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben