• Francesco Schettino zu 16 Jahren Haft verurteilt: Opfer-Anwalt begrüßt „Costa-Concordia“-Urteil

Francesco Schettino zu 16 Jahren Haft verurteilt : Opfer-Anwalt begrüßt „Costa-Concordia“-Urteil

Der Kapitän der „Costa Concordia“ ist zu 16 Jahren Haft verurteilt. Doch Francesco Schettino bleibt weiter auf freiem Fuß. Das Mammutverfahren könnte sich Jahre hinziehen.

Ex-"Costa Concordia"-Kapitän Francesco Schettino
Ex-"Costa Concordia"-Kapitän Francesco Schettino (r) am 17. Juli 2013 im Gerichtssaal von Grosseto mit seinem Anwalt Massimiliano...Foto: dpa

Auch nach dem Urteil gegen den Kapitän der „Costa Concordia“ ist kein Ende des Justizmarathons in Sicht. Francesco Schettino wurde am Mittwochabend in erster Instanz unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Seine Anwälte kündigten jedoch Berufung an. Der Kapitän ist weiter auf freiem Fuß. Bis das Verfahren durch die nächsten Instanzen gegangen ist, könnten Jahre vergehen. „Ich werde weiterkämpfen um zu beweisen, dass ich die Costa Concordia nicht verlassen habe“, erklärte Schettino in einer ersten Stellungnahme.

Das Urteil blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft

Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Janaur 2012 mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der italienischen Insel Giglio auf einen Felsen gefahren und gekentert. 32 Menschen starben, darunter 12 Deutsche.
Das Gericht sprach Schettino in allen Anklagepunkten schuldig, blieb jedoch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 26 Jahren und drei Monaten Haft.

„Es ist eine übertriebene Strafe, die viel, viel zu hoch ist. Aber das wichtige ist, dass er nicht verhaftet wurde, das ist eine positive Sache“, sagte Schettinos Anwalt Domenico Pepe, der einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert hatte. „Jetzt werden wir sehen, ob dieses Urteil im Berufungsprozess bestätigt wird.“ Schettino hatte sich nach dem Unglück zuerst selbst gerettet und Tausende verzweifelte Menschen an Bord des Schiffes zurückgelassen.

Das Kreuzfahrt-Unglück vor der Toskana
Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet wurden. Erwartet werden die Angehörigen der Todesopfer und ein Teil der rund 3200 Überlebenden, vor allem Deutsche, Franzosen und einige Peruaner.Weitere Bilder anzeigen
1 von 86Foto: Reuters
12.01.2013 14:21Am Sonntag jährt sich die Harvarie der Costa Concordia zum ersten Mal, bei der an Bord des Kreuzfahrtriesen 32 Menschen getötet...

Als Grund nannte er, in ein Rettungsboot gefallen zu sein. Überlebende und Opferangehörige waren nach dem Urteil enttäuscht. „Sechs Monate Strafe für jeden Verstorbenen, aber für die Familien ist es nicht 16 Jahre sondern für immer. Wie kann ich mich fühlen, ich bin einfach nur traurig“, sagte die Französin Anne Decré. „16 Jahre für 32 Opfer sind gar nichts“, sagte Giovanni Girolamo, der seinen Sohn bei dem Unglück verloren hatte.
Die Staatsanwaltschaft zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden. „Die Richter haben entschieden, alle unsere Anklagepunkte anzuerkennen und zu bestätigen“, erklärten sie. Für Sergio Ortelli, den Bürgermeister der Insel Giglio, ist das Urteil ein Teilerfolg.

Passagiere werden entschädigt

„Wichtige Dinge wurden anerkannt, etwa der Image-Schaden für Giglio und die Verantwortung von Costa Crociere“, sagte er. Die Reederei wurde wie auch Schettino vom Gericht dazu verurteilt, Entschädigungszahlungen an die Nebenkläger zu leisten, darunter auch die Insel Giglio. Die Passagiere sollen mit jeweils 30 000 Euro entschädigt werden. Der Anwalt der Reederei, Marco De Luca, erklärte: „Es ist ein ausgewogenes Urteil, das alle Interessen berücksichtigt.“

Opfer-Anwalt Hans Reinhardt hat das Urteil begrüßt. „16 Jahre sind schon eine deutliche Ansage“, sagte der Anwalt aus Marl dem WDR. „Ich deute das so, dass die Richter ein deutliches Zeichen setzen wollten.“ Reinhardt hat in Zivilprozessen 30 der deutschen Opfer des Schiffsunglücks vertreten. Das Urteil sei ein Zeichen dafür, dass die Gesellschaft mit dem Verhalten Schnettinos nicht einverstanden sei.

„Er hätte ja anders agieren können, er hätte sich beispielsweise entschuldigen können.“ Stattdessen habe er behauptet, alles richtig gemacht und viele Menschenleben gerettet zu haben. „Ein bisschen Demut würde ihm sicherlich guttun“, sagte Reinhardt. (dpa)


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