Frankreich : 33 Etagen für eine Zigarette

Wer in Frankreich noch raucht, der steht jetzt vor dem Büro auf der Straße oder springt rasch für eine Zigarette und einen Café in die benachbarte Bar. Wer in einem Hochhaus arbeitet, muss größere Mühen auf sich nehmen.

Paris - Manche Raucher reagierten maulend, andere dafür einsichtig auf den ersten Tag des Rauchverbots in öffentlichen Räumen. Rechtzeitig zum 1. Februar haben einige Unternehmen riesige Kübel für die Kippen ganz in die Nähe des Firmeneingangs gestellt. Dieser ersten Etappe im Kampf gegen Tabak folgt in Frankreich am 1. Januar 2008 der zweite und doch noch einschneidendere Schritt - dann darf endgültig auch in den Bars, Restaurants, Casinos und Discotheken nicht mehr gequalmt werden.

"33 Etagen runter und 33 Etagen hoch mit dem Aufzug, und das alles für einen Glimmstängel", das erwartet jetzt die Raucherin Florence in dem modernen Hochhaus-Geschäftsviertel La Défense am Rand von Paris. Vor dem Gebäude des Stromriesen EDF mit seinen 40 Etagen waren es am Donnerstag immer etwa zehn, die es nicht lassen konnten. "Ich werde jetzt weniger rauchen, was schon gut ist", so meinte der 40-jährige Ewoud aus der 20. Etage. Andere bemängeln, dass für sie nicht ein "fumoir", also ein Raucherzimmer, eingerichtet worden ist und finden das Dekret der Regierung von Premierminister Dominique de Villepin autoritär. "Wir gehen jedenfalls vor die Tür, wenn wir wollen", sagen sie. Alles in allem schienen sich die Raucher resigniert zu fügen.

"Wir wollen keine Raucherpolizei"

Frankreich setzt bei der Durchsetzung des in öffentlichen Räumen auf die Einsicht der Bürger. "Es kann Kontrollen und Strafen geben", sagte Gesundheitsminister Xavier Bertrand. "Wir wollen aber keine Raucherpolizei schaffen." Das Rauchverbot werde von den Bürgern angenommen. "In Fällen, in denen Sturköpfe die Gesundheit der Nichtraucher vergessen, werden wir aber sehr fest bleiben", sagte Bertrand.

175.000 Beamte sollen das Rauchverbot kontrollieren. Institute, die Raucher nicht vertreiben, können mit 135 Euro Geldbuße belegt werden. Gleichzeitig stellt die Regierung 100 Millionen Euro bereit, um Rauchern mit Nikotinersatzmitteln beim Abgewöhnen zu helfen. "Ich weiß, wie schwer es ist aufzuhören", sagte Bertrand. "Ich habe das selbst durchgemacht." Es sei aber möglich, die Zahl der Entsager von 700.000 auf 1,5 Millionen im Jahr zu verdoppeln.

Das per Erlass durchgesetzte Rauchverbot gilt für Arbeitsplätze und Bahnhöfe, Schulen, Verwaltungen, Geschäfte, Sportstätten und Krankenhäuser. Für besondere Raucherräume gelten sehr strikte Regeln. Denn wer weiter zur Zigarette greifen will, soll möglichst gezwungen werden, dafür auf die Straße zu gehen. Der laufende Wahlkampf muss mit der Kippe im Mund an Bar- oder Bistro-Theke debattiert werden. (Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

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