Frankreich : Die Wohltäterin

Präsidentengattin Carla Bruni sucht ihre Rolle in der Zuwendung zu den Verlierern der Gesellschaft.

Hans-Hagen Bremer[Paris]
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Foto: ReutersX80003

Er kümmert sich um die Menschheit, sie ums Menschliche. Während sich Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy für die Rettung der Welt vor einer Klimakatastrophe abrackerte, zog seine Frau Carla Bruni mit einer Equipe freiwilliger Helfer durch das nächtliche Paris, um Obdachlose mit einer warmen Mahlzeit und anderem zu versorgen, was zum Überleben am untersten Ende der Gesellschaft notwendig ist. „Es sind freundliche, sympathische Menschen, aber sie sind gebrochen und brauchen unsere Unterstützung“, schilderte die zum Anlass passend in Windjacke und Baseballkappe gekleidete Präsidentengattin ihre Erfahrung.

Lange hatte Carla Bruni gebraucht, um sich nach der Heirat mit Nicolas Sarkozy im Februar 2008 in ihre neue Rolle einzufinden. Welches ihre Aufgaben an der Seite des Präsidenten sind, ist nirgendwo festgehalten. Aber die Franzosen erwarten viel von der Première Dame Frankreichs. Den Pflichten des Repräsentierens kommt das ehemalige Mannequin auf natürliche Weise mit Eleganz und Charme nach. Wenn sie den Präsidenten begleitet, sind alle Kameras auf sie gerichtet.

Schwer fiel es ihr, ihre Karriere als Sängerin an den Nagel zu hängen. Sie verfasst zwar weiter Texte und vertont sie auch, aber ins Rampenlicht tritt sie nur noch ausnahmsweise wie kürzlich, als sie in der Radio City Hall in New York im Beisein ihres Mannes zwei ihrer Chansons zu Ehren Nelson Mandelas vortrug. Zur Politik hatte sie sich früher häufiger geäußert. Sie verurteilte die Gentests bei der Familienzusammenführung von Einwanderern und empörte sich über die Absicht, schon zwölfjährige Delinquenten einzusperren. Doch zu den Affären der jüngsten Zeit schwieg die bekennende Linke, die nach eigenen Worten noch nie für die Partei ihres Mannes gestimmt hat. Kein Wort zur Polanski-Affäre, keines zur Polemik um Kulturminister Frédéric Mitterrand, keines zur Rückführung afghanischer Flüchtlinge. Beobachter glauben, dies sei auf den Druck von offizieller Seite zurückführen.

Umso häufiger macht sie neuerdings mit ihrem humanitären Engagement von sich reden. Sie ist Botschafterin des Weltfonds für den Kampf gegen Aids und unterstützt mit einer eigenen Stiftung die Betreuung unheilbar erkrankter Kinder. Nicht der People-Presse, sondern „Macadam“, der Zeitschrift für die Ausgeschlossenen der Gesellschaft, gewährte sie eines ihrer selten gewordenen Interviews. Darin schildert sie die Freundschaft mit einem Obdachlosen, dem sie in der Nachbarschaft ihres Domizils häufig begegnet.

Model, Sängerin, Sozialhelferin und bald, wenn aus dem Angebot, das der Regisseur Woody Allen ihr gemacht hat, etwas wird, auch noch Filmschauspielerin – die Franzosen wissen nicht so recht, was sie von ihrer Ersten Dame halten sollen. In einer Umfrage meint jeder zweite, sie werde ihrer Rolle nicht gerecht. Andererseits glaubt eine Mehrheit, dass sie einen guten Einfluss auf Sarkozy ausübe.

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