Frankreich : Ehekrise? Sarkozy und Bruni gehen gegen Gerüchte vor

Seit Wochen kursieren Gerüchte über eine Ehekrise im Hause Sarkozy. Wie reagiert der französische Präsident darauf?

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Präsidentenpaar: Bruni und Sarkozy.Foto: AFP

Nicolas Sarkozy lässt nicht mit sich spaßen. Geht es um sein persönliches Ansehen, ist der Präsident schnell mit der Justiz zur Hand. Die Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“ (JDD) bekommt das jetzt zu spüren. Das Blatt hatte Anfang März auf seiner Internetseite Gerüchte über angebliche Seitensprünge Sarkozys und seiner Frau Carla Bruni publik gemacht. Darüber war das Präsidentenpaar so wütend, dass eine Klage wegen „Verbreitung falscher Nachrichten“ unvermeidlich wurde. Eine entsprechende Strafanzeige ging jetzt bei einem Pariser Gericht ein – allerdings wurde sie von JDD selbst gegen die eigene Internetseite gestellt. Herausgeber der Zeitung ist der Unternehmer Arnaud Lagardère, ein enger Freund Sarkozys. Die Kriminalpolizei ermittelt nun.

Dieser ungewöhnliche Schritt geht nach Medienberichten auf „starken Druck“ aus dem Elysee-Palast zurück. Nach der Veröffentlichung der Gerüchte über Sarkozys Ehe, die von ausländischen Zeitungen übernommen wurden, intervenierten Sarkozys Medienberater und sein Anwalt beim Chefredakteur der JDD. Der entschuldigte sich bei dem Präsidentenpaar und entfernte den Beitrag umgehend von der Internetseite. Der Direktor der Internetaktivitäten des Verlags und der Autor des Blogs, der die in den Pariser Salons kursierenden Klatschgeschichten über die Sarkozys zur Sensation aufgebläht hatte, wurden gefeuert.

Aber auch das reicht dem Elysee-Palast noch nicht. „Für uns ist das ein Casus Belli“, erklärte Sarkozys Medienberater Pierre Charon gegenüber der Zeitschrift „Le nouvel observateur“. Man bestehe auf einer strafrechtlichen Untersuchung, um ein für allemal sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederhole. Im Internetdienst „Rue89“ äußerte er die Vermutung, dass es sich um eine „Verschwörung“ handeln könnte. Das Ziel: den Präsidenten, dessen Umfragewerte derzeit so schlecht sind wie nie, zu destabilisieren.

Wie hartnäckig Sarkozy die verfolgt, die er für die Gerüchte verantwortlich macht, zeigt der Fall von Rachida Dati. Die frühere Justizministerin war bei ihm in Ungnade gefallen und 2009 ins Europaparlament abgeschoben worden, verfügte aber weiter über einen Dienstwagen mit Fahrer und Sicherheitsbeamten. Diese Vergünstigungen wurden ihr nun auf Anweisung des Präsidenten entzogen, meldete die Satire-Zeitung „Le canard enchaîné“. Sarkozy verdächtige sie als Urheberin der Gerüchte. Den Verdacht stütze er auf eine Untersuchung des Inlandsgeheimdienstes im Auftrag des Elysse-Palastes, meldete das diesmal wohl besser informierte JDD.

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