Frankreich : Richter entscheiden erneut über Airbus-Absturz

Fast 16 Jahre nach dem tödlichen Absturz eines Flugzeugs im Elsass wird das Gerichtsverfahren neu aufgerollt. Angeklagt sind neben einem früheren Airbus-Direktor auch mehrere leitende Mitarbeiter der Luftfahrtbehörde.

ColmarIn Colmar begann heute der Berufungsprozess gegen sechs Angeklagte, die in erster Instanz freigesprochen worden waren. Bei dem Absturz eines Airbus A 320 westlich von Straßburg am Abend des 20. Januar 1992 waren 87 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen acht Deutsche. Neun Menschen überlebten das Unglück, bei dem dichtes Schneetreiben herrschte. Das neue Verfahren soll bis zum 29. November dauern. Das Urteil wird erst Anfang kommenden Jahres erwartet.

Zu verantworten haben sich der frühere technische Direktor von Airbus, Bernhard Ziegler, vier frühere leitende Angestellte der französischen Luftfahrtbehörde und der damaligen Binnen-Fluglinie Air Inter sowie ein Fluglotse. Im November 2006 hatte das Landgericht in Colmar nach einem zwei Monate dauernden Prozess alle Angeklagten vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung freigesprochen. Zugleich erkannte es aber die "vollständige zivilrechtliche Verantwortung" des Airbus-Konzerns und der französischen Luftlinie Air France, in der Air Inter mittlerweile aufgegangen ist. Sie müssen der Opfervereinigung ECHO dem erstinstanzlichen Urteil zufolge 500.000 Euro an Entschädigung zahlen.

Cockpit war unübersichtlich gestaltet

Bei einer Verurteilung drohen den Beschuldigten bis zu zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von gut 4500 Euro. Während des ersten Prozesses hatten Gutachter unterschiedliche Thesen für die Absturzursache vorgelegt. Dabei ging es unter anderem um die Ergonomie des Cockpits: Bei den ersten A320-Modellen gab es zwei Knöpfe, die leicht verwechselt werden konnten. Einer diente zur Bestimmung der Geschwindigkeit, der andere zur Wahl eines bestimmten Neigungswinkels. Außerdem hatten die Fluglinie und die zuständigen Behörden auf den Einbau eines Boden-Warnsystem verzichtet, das die Piloten auf die Kursabweichung hätte hinweisen können. (mit AFP)

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