Frankreich : Sechs Monate Haft für Brand-Drama

Vor zwei Jahren starben acht Menschen bei einem Brand auf einem Reiterhof in den französischen Alpen. Jetzt ist der Eigentümer des Anwesens, Michel Hinniger, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Chambéry - Das Strafgericht in Chambéry sah es als erwiesen an, dass der 53-Jährige Brandschutzvorschriften verletzt hatte, und sprach ihn der fahrlässigen Tötung für schuldig. Weitere zwei Jahre Haft setzten die Richter zur Bewährung aus. Bei dem nächtlichen Feuer waren am 5. August 2004 fünf Mädchen und zwei Jungen sowie ihre 24-jährige Betreuerin im Dorf Lescheraines umgekommen.

Die Opfer waren in einem Nebengebäude des Hofs im Schlaf durch das Feuer überrascht worden, dessen Ursache bis heute ungeklärt ist. Nur eine 22-Jährige konnte sich schwer verletzt retten, indem sie mit ihrem Schlafsack über dem Körper durch die Flammen rannte. Die Verteidigung hatte darauf verwiesen, dass Rauchmelder nach damaliger Rechtslage für das benutzte Gebäude nicht Vorschrift gewesen seien. Erst nach dem Drama waren die Vorschriften entsprechend geändert worden.

Eigentümer lehnte Gedenkstätte ab

Das Gericht blieb deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte drei Jahre Haft verlangt, wovon die Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden sollte. Ein Berufsverbot, das vor allem den Familien der Opfer wichtig war, verhängte das Gericht nicht. Hinnigers damalige Frau, die für den Betrieb des Hofs zuständig war, wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Die Angehörigen der getöteten Jugendlichen hatten während des Verfahrens kritisiert, dass das Ehepaar den Reiterhof nur Wochen nach dem Unglück wieder in Betrieb genommen hatte und sich weigerte, einen Teil des Grundstückes für eine Gedenkstätte zur Verfügung zu stellen. Der Vater eines Opfers zeigte sich empört, dass Hinniger nicht zur Urteilsverkündung erschienen war, weil er für Samstag ein Fest auf seinem Hof vorbereite. "Für ihn zählen nur Pferde. Unsere Kinder haben keinen Wert." (tso/AFP)

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