Frankreich : Wieder Atomunfall in Tricastin - 100 Menschen kontaminiert

Die Serie der Zwischenfälle in der Atomanlage Tricastin bei Avignon reißt nicht ab. 100 Menschen seien leicht kontaminiert worden, berichten Medien. Der Direktor der Anlage, Alain Peckre, bezeichnet den Vorfall als "belanglos".

ParisZum zweiten Mal innerhalb von gut zwei Wochen hat es in dem französischen Atomkraftwerk Tricastin einen Zwischenfall gegeben. Bei Wartungsarbeiten seien am Morgen hundert Menschen "leicht kontaminiert" worden, sagte eine Sprecherin des Kraftwerks am Mittwoch. Auswirkungen für die Gesundheit der Betroffenen sowie die Umwelt gebe es nicht. Die Atomaufsichtsbehörde (ASN) stufte den Vorfall auf Stufe 0 der von 0 bis 7 reichenden Störfallskala ein. Nach der Öffnung eines Abzugsrohrs im Inneren der Anlage sei radioaktiver Staub freigesetzt worden, sagte der Chef des Atomkraftwerks, Alain Peckre.

Ein ASN-Sprecher kündigte für Donnerstag die Veröffentlichung einer Mitteilung der Aufsichtsbehörde an, obwohl dies bei Vorfällen der Stufe 0 normalerweise nicht üblich ist. Die Entscheidung sei angesichts der Anzahl der betroffenen Menschen sowie der vorangegangenen Zwischenfälle in Tricastin am 7. Juli und in einer Brennstäbefabrik in der Nähe von Grenoble in der vergangenen Woche getroffen worden, sagte der Sprecher. Die radioaktive Dosis, die die Betroffenen abbekommen hätten, sei jedoch "unbedeutend". In Frankreich werden jedes Jahr mehrere hundert Vorfälle in Atomkraftwerken auf der Stufe 0 eingeordnet.

Radioaktive Dosis "nur gering"

Tricastin hatte vor gut zwei Wochen über Frankreich hinaus für Schlagzeilen gesorgt, als am 7. Juli aus einem Betrieb zur Reinigung radioaktiv verstrahlter Materialien sechs Kubikmeter uranhaltige Flüssigkeit in die Umwelt gelangten. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand nach Angaben der Behörden nicht. In der vergangenen Woche war in einer Brennstäbefabrik in Romans-sur-Isère uranhaltige Flüssigkeit aus einer brüchigen Leitung ausgetreten. Beide Vorfälle waren von der ASN auf Stufe 1 der Störfallskala eingestuft worden.

Der erneute Vorfall in Tricastin sei am Mittwochmorgen im Gebäude des vierten Reaktors passiert, sagte Peckre. Der Zwischenfall sei ohne Bedeutung. Die radiaktive Dosis, der die Betroffenen ausgesetzt worden seien, sei vierzig Mal geringer, als die jährliche Höchstdosis, sagte die Unternehmenssprecherin. Die Ursachen des Vorfalls und die Auswirkungen auf die Betroffenen würden untersucht. Es gebe jedoch weder Folgen für die Gesundheit der Menschen, noch sei die Umwelt betroffen.

Tricastin im Südosten von Frankreich ist nach Angaben der Betreiber die größte Atomanlage der Welt. Der Komplex an der Rhône ist seit Mitte der 70er Jahre in Betrieb. Er erstreckt sich über 600 Hektar und lieferte im vergangenen Jahr 27,07 Terawattstunden Strom, was einer Milliarde Kilowattstunden entspricht. Der Strom entsteht in vier Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von 900 Megawatt. (ae/dpa)

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