Französisch-Guyana : Sieben Wochen im Dschungel überlebt

Zwei vermisste Wanderer haben sieben Wochen im Urwald von Französisch-Guyana überlebt. Aus Hunger ernährten sich die Männer von Schildkröten und Spinnen. Jetzt wurden sie wie durch ein Wunder gerettet.

Cayenne - Ihre Retter werteten das glückliche Ende des unfreiwilligen Abenteuers als "Wunder". Die beiden 34-Jährigen hatten Samen und das Fleisch zweier Schildkröten, aber auch Insekten und Vogelspinnen gegessen sowie Flusswasser getrunken. Zu den Angehörigen konnte zunächst nur einer der beiden zurückkehren. Der andere wurde völlig entkräftet ins Krankenhaus eingeliefert, wo er noch einige Tage verbringen soll. Die Behörden in Französisch-Guyana hatten nach eigenen Angaben in 50 Helikopterflügen drei Wochen lang vergeblich versucht, die beiden zu finden. Ende März hatten sie die Suche eingestellt.

Wie Polizeisprecher Martin André in Cayenne sagte, hatte am Donnerstagmorgen (Ortszeit) zunächst Loïc Pillois zu Fuß den kleinen Weiler Saül im Herzen Französisch-Guyanas erreicht. Umgehend bat er, auch seinem Wanderkameraden Guilhem Nayral zu helfen. Nayral wurde schließlich am so genannten Limonaden-Flusslauf, etwa sechs Stunden Fußmarsch entfernt, gerettet. Sein Ruheplatz war nach Angaben der Rettungkräfte unter fast 40 Meter hohen Baumwipfeln versteckt; er konnte erst nach vier Stunden gefunden werden.

Dehydriert und abgemagert

"Wir entdeckten ihn auf dem Boden ausgestreckt, vollkommen außer Atem, dehydriert und abgemagert", sagte André. "Als ich ihn in meine Arme nahm, fing er an zu weinen." Die Geretteten sahen sehr erschöpft aus, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Pillois konnte selbst aus einem Hubschrauber steigen, Nayral musste dagegen auf einer Liege transportiert werden. Beide waren Mitte Februar zu einer Wanderung aufgebrochen, die nur etwa zehn Tage dauern sollte. Sie hatten weder ein GPS-Gerät noch ein Satellitentelefon dabei, sondern nur Karten zur Orientierung.

Pillois' Ehefrau Angélique sagte, sie habe sich nie wirklich Sorgen um ihren Mann und dessen Freund gemacht. "Vor fünf Jahren sind sie in der Gegend von Saül schon einmal mit einem Freund gewandert, einem Insektenexperten", erläuterte sie. "Er hat ihnen gezeigt, dass man bestimmte Larven essen kann, wenn man sich im Urwald verläuft."

Guilhem Nayrals Bruder Gilles sagte, die beiden hätten zunächst drei Wochen lang unter einer Notbehausung aus Ästen auf Rettung gewartet und Feuer angezündet, um gefunden zu werden. "Sie hörten Hubschrauber im Norden, die weiterflogen, ohne sie zu sehen. Nach drei Wochen haben sie ihre Wanderung fortgesetzt, da man sie nicht fand."

20 Kilo Gewicht verloren

Sein Bruder habe aus lauter Hunger selbst Panzer einer Schildkröte und ihre Krallen gegessen, berichtete Gilles Nayral. Er habe vermutlich an die 20 Kilogramm Gewicht verloren und sei kaum wiederzuerkennen. Auch seine Stimme habe sich verändert, weil er eine nicht ausreichend gekochte Vogelspinne gegessen habe. Das Spinnengift habe die Empfindungen auf seiner Zunge verändert. Die Ärzte stellten einen nur noch sehr schwachen Blutdruck fest. "Zwei oder drei Tage mehr im Wald, und er wäre gestorben." (tso/AFP)

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