• Frau soll Polizisten mit Oberweite attackiert haben: Proteste in Hongkong: "Brüste sind keine Waffen!"

Frau soll Polizisten mit Oberweite attackiert haben : Proteste in Hongkong: "Brüste sind keine Waffen!"

In Hongkong ist eine Frau zu mehr als drei Monaten Haft verurteilt worden, weil sie ihre Brüste während einer Demonstration absichtlich gegen einen Polizisten gedrückt haben soll. Nun haben 200 Menschen gegen das Urteil demonstriert.

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Männliche Demonstranten mit BH bei der Versammlung in Hongkong am Sonntag vor dem Polizeihauptquartier.
Männliche Demonstranten mit BH bei der Versammlung in Hongkong am Sonntag vor dem Polizeihauptquartier.Foto: REUTERS

In Hongkong haben etwa 200 Menschen gegen ein Gerichtsurteil gegen eine junge Frau demonstriert. Wie die BBC berichtet, fanden sich die Demonstranten vor dem Hauptsitz der Polizei ein, um sich für die 30-Jährige einzusetzen, die am Donnerstag zu dreieinhalb Monaten Haft verurteilt worden war. Die Frau soll während einer Demonstration einen Polizisten mit ihrer Oberweite "attackiert" haben. Beim Protest gegen das Urteil waren auch Männer mit Spitzen-BHs oder Kokosnusshälften vor der Brust vor dem Polizeigebäude zu sehen. Zudem trugen sie nackte Puppen und Plakate mit üppigen Dekolletés. "Keine Waffen" steht auf dem Bauch einer unbekleideten Puppe geschrieben.

Die Frau heißt Ng Lai Ying. Bei der Demonstration am 1. Mai habe der Polizist nach ihrer Tasche gegriffen, dabei sei seine Hand auf ihrer Brust gelandet - so hatte die Frau ausgesagt. Sofort habe sie "sexueller Übergriff" gerufen, wie die "South China Morning Post" schreibt. Die junge Frau wurde bei der Demonstration festgenommen, die sich gegen "Festlandchinesen" richtete, die nach Hongkong kommen würden, um günstigere Produkte zu kaufen. Der Richter lehnte nun den Vorwurf des sexuellen Übergriffs ab. Die Frau habe ihre Brust absichtlich gegen den Arm des Polizisten gedrückt, so sein Urteil. Sie habe ihre Weiblichkeit benutzt und behauptet, der Beamte habe sie belästigt. "Diejenigen, die wegen ihres Berufs angegriffen werden, sollten beschützt werden", sagte der Richter weiter.

"Keine Waffe" steht auf einer nackte Puppe während der Demonstration für eine Demonstrantin in Hongkong.
"Keine Waffe" steht auf einer nackte Puppe während der Demonstration für eine Demonstrantin in Hongkong.Foto: REUTERS

Laut blick.ch soll sich Ng Lai Ying bei dem Protest am 1. Mai die Nase gebrochen haben. Demnach soll ihr Anwalt unter anderem ein Video präsentiert haben, das zeigen soll, wie seine Mandantin während des Vorfalls mit dem Polizisten von einem anderen Beamten in den Rücken gestoßen worden sei. Das Schweizer Nachrichtenportal schreibt auch, die Angeklagte sei erst vor zwei Wochen gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Ein Video auf Youtube zeigt die Demonstration am 1. Mai und die Frau mit blutiger Nase. Ob es sich dabei um das Video handelt, das vor Gericht präsentiert wurde, ist nicht bekannt.

Die Teilnehmer der Demonstration am Sonntag solidarisieren sich mit der Frau. "Es ist schockierend und bedauerlich, dass es als Unruhestiftung angesehen wird, wenn eine Frau davon berichtet, belästigt worden zu sein", zitiert die chinesische Zeitung Luk Kit Ling, eine Sprecherin der Demonstration. Das Urteil halte Frauen künftig davon ab, an sozialen Bewegungen und politischen Veranstaltungen teilzunehmen. Dem Bericht zufolge wurden die Protestler zu Beginn der Veranstaltung von der Polizei mit einer gelben Flagge gewarnt: Weil keine Erlaubnis der Polizei vorliege, sei die Versammlung rechtswidrig. Die Warnung wurde zunächst ignoriert. Später lösten die Demonstranten die Versammlung friedlich auf. Einem Vertreter der Polizei wurde eine Petition übergeben.

"Wie ich heute angezogen bin, sieht als Mann ziemlich hässlich aus, aber es ist nicht so hässlich wie dieses Urteil", sagt ein männlicher Teilnehmer. "Wie können Brüste Waffen sein?", fragt die Aktivistin Ng Cheek Ling. "Die Polizei sollte ihre Richtlinien zum Umgang mit weiblichen Demonstranten überarbeiten."

Etwa 200 Demonstranten vor dem Hauptsitz der Polizei in Hongkong am Sonntag. Der Protest richtet sich gegen das Urteil, eine Demonstrantin habe ihre Brüste gegen einen Polizisten eingesetzt.
Etwa 200 Demonstranten vor dem Hauptsitz der Polizei in Hongkong am Sonntag. Der Protest richtet sich gegen das Urteil, eine...Foto: REUTERS

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