Frauenfußball-EM : ZDF überarbeitet umstrittenen Werbespot

Der Werbespot zur Frauenfußball-EM im ZDF löste so viel negative Reaktionen bei den Zuschauern aus, dass die Sendeanstalt ihn jetzt überarbeitet. Dennoch will das ZDF es mit der Political Correctness nicht übertreiben.

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Hinter jeder starken Fußballerin steht ein bügelnder Mann? Das ZDF hat seinen Spot zur Frauenfußball-EM überarbeitet.
Hinter jeder starken Fußballerin steht ein bügelnder Mann? Das ZDF hat seinen Spot zur Frauenfußball-EM überarbeitet.Foto: ZDF

Das ZDF, ein sexistisch veranlagter Sender? Diesen Vorwurf lässt sich die öffentlich-rechtliche Anstalt nicht gefallen. Das ZDF hat blitzschnell auf die überbordenden (Zuschauer-)Proteste reagiert und seinen Werbespot für die Frauen-Fußball-EM in Schweden überarbeitet. Zwar starten die knapp 20 Sekunden immer noch in der Waschküche, wo eine Fußballerin im Trikot der deutschen Nationalmannschaft einen verdreckten Ball technisch sauber in einer Waschmaschine versenkt – aber dann! Kurzer Schnitt, und der neue Clip zeigt einen Mann mit nacktem Oberkörper und in Fußballerhose am Bügelbrett.

Der adrette Typ ist zwar kopflos, was wohl sagen soll, dass er jedermann sein könnte, also dieser durchtrainierte und glattrasierte Kerl bügelt ein Trikot – möglichweiserweise sogar ein Frauenleibchen fürs nächste EM-Spiel gegen Island, das das ZDF am Sonntag um 20.15 Uhr übertragen wird. Und während er da so akkurat bügelt, wäscht die Maschine den Ball sauber. Dann, und mehr Anerkennung für den Frauenfußball ward selten geäußert, hebt er den Daumen und zollt der technisch famosen Waschküchen-Einnetzerin größten Respekt.

Da zwinkert der angeblich Frauen diskriminierende Mainzelmann mit den Äuglein. Frauen spielen EM-Fußball und Männer sorgen im Hintergrund fürs blitzsaubere Auflaufen der Silvia-Neid-Truppe. Aufregung abgesagt, alles in der berühmten Butter? Muss man sagen.

Mal sehen, was der nächste Kreativspot bringt. Vielleicht einen Trikottausch, vielleicht liegen sich Fußballerfrau und Fußballermann jubelnd in den Armen. Im ursprünglichen Spot saß die Spielerin auf der Waschmaschine, während der Ball gewaschen wird. Dann sagt eine Frauenstimme – im alten wie im neuen Spot – aus dem Off den Satz „Ball sauber in Schweden“.

Der Werbefilm löste bei Twitter und Facebook Kritik und Spott aus, der Mainzer Sender gab sich cool. Der Social-Media-Verantwortliche beim ZDF, Michael Umlandt, sagte, ihm sei so eine Kritikwelle an einem ZDF-Werbefilm neu. „Die User haben sonst positiv auf unsere Spots reagiert und haben die eigentlich immer sehr, sehr lustig gefunden. Das ist das erste Mal, dass wir mit einem Spot wirklich anecken.“

ZDF-Chefredakteur Peter Frey warb für Gelassenheit: „Ich finde, wir sollten es mit der Political Correctness nicht übertreiben. Ein Spot soll ja auffallen, der soll Interesse erwecken. Das ist in der Angelegenheit wirklich gelungen. Da guckt man hin; und damit ist die Sache für mich wirklich auch erledigt.“ War sie aber nicht. Der Spot wurde überarbeitet und in neuer Version ausgestrahlt. Beim ZDF wollen sie die Guten sein, bei den Zuschauerinnen und bei den Zuschauern.

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