Welt : Frauenmörder schildert Gräueltaten

Hans-Hagen Bremer

Paris - Sechs Wochen verweigerte der Angeklagte jede Aussage. Jetzt hat Michel Fourniret, der „Jungfrauenjäger“, der sich vor einem Schwurgericht in der ostfranzösischen Stadt Charlesville-Mézières für die Vergewaltigung und Ermordung von sieben Mädchen verantworten muss, erstmals sein Schweigen gebrochen. Als „Wilderer“ bezeichnete sich der 65-Jährige, der bei seinen Streifzügen nie gewusst habe, ob er „einen Fasan, ein Kaninchen oder gar nichts erbeuten“ würde. Und von einem seiner ersten Opfer, der 17-jährigen Isabelle, sagte er: „Sie war ein Werkzeug des Schicksals, das mir auf den Weg meines Vorsatzes gestellt wurde.“ Dann schilderte das „Monster aus den Ardennen“, wie Fourniret genannt wird, wie er mit seiner mitangeklagten Frau Monique die Schülerin in sein Auto lockte, mit einem Medikament halb bewusstlos machte, sich an ihr verging und sie erwürgte und die Leiche dann in einen stillgelegten Brunnen warf.

15 Jahre lang ging Fourniret in Nordfrankreich und Belgien auf gleiche Weise vor, um seine „Jungfrauenobsession“, wie er es nennt, zu befriedigen. Nachdem er in der Voruntersuchung die ihm vorgeworfenen Taten gestanden hatte, boykottierte er den Prozess zunächst mit der Forderung, nur unter Ausschluss des Publikums aussagen zu wollen. Dass er nun seine Haltung änderte, erklärt sich wahrscheinlich aus der Eitelkeit des Angeklagten, der sich wie ein „Herr über Leben und Tod“ noch einmal an der detailgenauen Darstellung seiner Verbrechen zu delektieren scheint. Auf die Frage eines Nebenklägers, ob ihm das Freude mache, sagte er: „Entweder ich rede, oder ich schweige, Sie haben die Wahl.“

Dass Fourniret so lange wüten konnte, ist möglicherweise auf ein Versäumnis der Justiz zurückzuführen. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1987 hatte Fourniret mit seiner Frau die Frau eines Mitgefangenen ermordet, um an eine Beute von 80 Kilogramm Gold aus einem Einbruch zu gelangen, für den sein Zellennachbar weiter einsaß. Dieser Mithäftling berichtete jetzt als Zeuge dem Schwurgericht, wie sich die Staatsanwaltschaft damals geweigert habe, seinen Verdächtigungen Fournirets als Mörder seiner Frau nachzugehen. Hans-Hagen Bremer

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