Welt : "Free Willy": Lieber unfrei als unversorgt

Der Orka und "Filmstar" Keiko aus der Hollywoodserie "Free Willy" will lieber gemächlich in einer beschützten Bucht mit garantierter Fütterung eingesperrt sein, als frei und wild im offenen Ozean zu jagen. Zu dieser Erkenntnis hat der Meeressäuger offenbar auch seine mehr als 20 Betreuer auf der isländischen Westmännerinsel gebracht, die ihn seit drei Jahren mit einem aufwendigen Trainingsprogramm wieder auf die Freiheit vorbereiten wollen. "Ja, Keiko ist nach dem Training dieses Sommers wieder in seiner Klettsvikbucht zurück", teilte der Sprecher der Keiko-Stiftung, Hallur Hallsson, am Montag in in Reykjavik mit.

Für den Herbst sei mit einer permanenten Entscheidung über die Zukunft Keikos zu rechnen, der mit seinen etwa 22 Jahren ein Walmann aus der Art der Schwertwale ("Orcinus orca") im besten Alter ist und davon lediglich die allerersten in Freiheit verlebte. Niemand in Reykjavik zweifelt daran, dass Keikos Trainer ihr beispielloses und auf Island stark bespötteltes Projekt nun vor allem aus finanziellen Gründen beenden werden.

20 Millionen Dollar wurden seit 1995 dafür ausgegeben, den in diversen Delfinarien in den USA und Mexiko schlecht behandelten Wal gesundheitlich auf Vordermann zu bringen, per Sonderflugzeug in seine nordatlantische Heimat zu frachten und hier schrittweise an die Freiheit zu gewöhnen.

Keiko hatte 1999 erst ein kleines Bassin in der Klettsvikbucht und später die gesamte Bucht vor der vulkanischen Westmännersinsel bekommen, die mit einem riesigen Netz vom freien Meer getrennt blieb. Nach und nach machte der Wal immer häufiger in Begleitung seiner auf mehrere Schiffe und sogar einen Hubschrauber verteilten "Trainer" Ausflüge ins Meer, wo er Artgenossen treffen und nicht zuletzt selbstständig Futter jagen sollte. Allein 40 solcher "Ozean-Spaziergänge" habe Keiko in diesem Sommer absolviert und dabei immer wieder mit in Gruppen schwimmenden Artgenossen Kontakt aufgenommen und "wirklich enorme Fortschritte gemacht", versichert Charles Vinick von der Stiftung "Ocean Futures". Der rauschebärtige PR-Mann, der schon mit dem legendären französischen Ozeanforscher und TV-Star Jacques Costeau die Weltmeere durchforstet hat, hält die Anwendung so enormer Mittel für ein einziges Tier für richtig.

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