Frisurentrends : Etwas Gel, bitte

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein prominentes Beispiel aus der Politik. Doch die Haare nach hinten zu kämmen und mit Gel zu fixieren, das ist die neue Trendfrisur der Modedesigner. Neu ist der Look freilich nicht.

Nana Heymann
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Männer haben keine Frisur, Männer haben Haare. Wer bislang gut mit diesem Motto lebte und meinte, regelmäßige Besuche beim Friseur seien höchstens was für Weicheier, sollte langsam umdenken. Mit gut getrimmtem Haar den Alltag zu meistern ist mittlerweile keine Schande mehr, ganz im Gegenteil. Gesellschaftliche Anerkennung und beruflicher Erfolg gehen nicht selten mit der richtigen Frisur einher.

Jüngstes Beispiel dafür: Karl-Theodor zu Guttenberg. Seit vergangenen Dienstag ist der CSU-Politiker Bundeswirtschaftsminister, er löste seinen Parteikollegen Michael Glos ab – und zugleich ein optisches Auslaufmodell. Glos trug seine Haare kurz, langweilig, unvorteilhaft für seine groben Gesichtszüge. Guttenberg hingegen signalisiert allein mit seinen streng nach hinten frisierten Haaren Entschlossenheit. Sein Schnitt soll zeigen: Hier ist einer, der den Herausforderungen des Lebens die Stirn bietet.

Mit dieser Frisur – und dieser Einstellung – liegt der neue Bundeswirtschaftsminister voll im Trend. Bei den aktuellen Modenschauen in Mailand, Paris und Berlin schickten Designer ihre männlichen Models bevorzugt mit streng nach hinten gegelten Haaren auf den Laufsteg, Givenchy zeigte diesen Look ebenso wie Dolce & Gabbana, Paul Smith, Trussardi, Ralph Lauren, Joop! oder Gianfranco Ferré. Die Webseiten der Designer sind voll von gegelten Jungs.

„Das Styling wirkt sehr englisch und edel“, sagt Starfriseur Udo Walz. Er bescheinigt dem neuen Bundeswirtschaftsminister, „fabelhaft“ auszusehen. Einen speziellen Namen habe der Schnitt nicht, wichtig sei jedoch, dass er sehr korrekt ausgeführt wird. Die Seiten kurz, am Hinterkopf Facon, das Deckhaar lang bis zur Nasenspitze. Wenn diese Grundlage stimmt, sei der Rest sehr einfach: Die feuchten Haare nach hinten kämmen und mit einer haselnussgroßen Portion Gel fixieren. „Der Vorteil dieser Frisur ist, dass sie den ganzen Tag über sitzt“, sagt Walz.

Neu ist der Look freilich nicht. Leinwandstars wie Clark Gable, Rock Hudson oder Fred Astaire trugen ihn bereits, und auch in Adelskreisen ist er seit vielen Jahren ein Klassiker. Guttenberg trägt diese Frisur schon lange, bei ihm ist es keine Frage des aktuellen Trends.

Dass die Frisur gerade jetzt ein Comeback erlebt, liegt vielleicht auch an der wirtschaftlich angespannten Zeit, in der die Öffentlichkeit kein Verständnis hat für Ausgefallenes, Aufwendiges. Ein reduziertes, unkompliziertes Hairstyling, das zudem noch elegant und zeitlos wirkt, scheint daher gerade angemessen.

Genau genommen ist die Frisur das Gegenteil des Lotterlooks der letzten Jahre. Schick war demnach, wer augenscheinlich wenig Wert auf Haarschnitt und Styling legte. Männer sahen aus, als ob sie eben erst aus dem Bett gefallen wären, ihre Haare standen kreuz und quer in alle Richtungen oder wurden zottelig ins Gesicht gekämmt. Als „undone look“ bezeichnen Profis diese Frisur. Der Träger versuchte, möglichst unfrisiert und lässig zu wirken – und investierte doch einiges an Zeit, Mühe und Pomade, um so auszusehen.

Im Gegensatz dazu ist der aktuelle Gel-Look die ehrlichere Frisur, denn immerhin verheimlicht er nicht den Aufwand, den er macht, auch wenn dieser vergleichsweise gering ist. Völlig problemlos ist er dennoch nicht, denn tatsächlich haften ihm eine Reihe Vorurteile an. Er gilt als der Look von BWL-Studenten oder Internatsschülern, seine Träger wirken schnell etwas distanziert, oder gar überheblich und arrogant. Und auch Udo Walz bestätigt: „Es bedarf Mut, die Haare so zu tragen.“ Die Stirn offen zur Schau zu stellen, sei nicht jedermanns Sache. Insofern müssen Männer wie „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann oder Autor Michel Friedman besonders mutig sein, denn der streng frisierte Look ist seit Jahren ihr Markenzeichen. Groß darüber reden wollen sie allerdings nicht. Einst auf seine Haare angesprochen, regierte Friedman äußerst ungehalten: Eine Auseinandersetzung mit Äußerlichkeiten findet er oberflächlich.

Der Sänger und Tänzer Oscar Loya hingegen hat bislang nicht viel mehr zu bieten als ein optisch ansprechendes Erscheinungsbild – er setzt ebenfalls auf den aktuellen Look und gelt seine Haare streng nach hinten. Der Newcomer tritt gemeinsam mit Hit-Produzent Alex Christensen beim Eurovision Song Contest an, will mit dem Lied „Miss Kiss Kiss Bang“ den Grand Prix für Deutschland gewinnen.

Ob Loya mit Look und Lied der Sieg gelingt, wird sich im Mai zeigen. Dann findet der Song Contest in Moskau statt. Erfolg garantiert die Frisur allein allerdings nicht, auch die Leistung muss stimmen. Unternehmer Franjo Pooth, Ehemann von Werbestar Verona Pooth, ging mit seinem Unternehmen Maxfield Pleite – trotz gegelter Haare.

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