Welt : Fünf Frauen nach Snowboard-Event bei Innsbruck erstickt

Ulrich Glauber

Die Polizei spricht von einer "tragischen Verkettung unglücklicher Umstände".Ulrich Glauber

Zweites verheerendes Unglück in Österreich innerhalb 48 Stunden: Nachdem am Donnerstag in Niederösterreich neun Bewohner beim Einsturz ihres Hauses nach einer Gasexplosion umgekommen waren, erstickten am Sonnabendabend fünf Frauen bei einer Massenpanik im Innsbrucker Bergisel-Stadion. Vier Zuschauer eines Snowboard-Events an der Olympia-Schanze schweben noch in Lebensgefahr.

Zur Panik war es gekommen, als gegen Ende der Snowboard-Show ein großer Teil der 40 000 Besucher zu den beiden Ausgängen der Skisprung-Arena drängte. Vermutlich weil eine Zuschauerin nach ihrem verlorenen Schuh suchte, geriet die Menge am westlichen Auslass ins Stocken. Unter dem Druck mehrerer tausend nachdrängender Menschen fielen Zuschauer zu Boden. Danach spielten sich dramatische Szenen ab. "Ich hatte Mühe, Luft zu bekommen. Ich musste zusehen, dass ich nicht selbst hinuntergedrückt wurde", berichtete eine Besucherin.

Als ein Zaun dem Ansturm nicht mehr stand hielt, stürzten mehrere Menschen eine Böschung hinab. Auch Warnschüsse der 200 Polizisten im Stadion, die sich im Lärm anders nicht bemerkbar machen konnten, hielten die Massen nicht zurück. "Die Tragödie war für uns nicht zu verhindern", sagte Einsatzleiter Franz Birkfellner am Sonntag im österreichischen Fernsehen ORF.

Bei den Todesopfern handelt es sich um vier Tirolerinnen und eine Australierin im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Von acht weiteren Verletzten, die Hautabschürfungen erlitten, konnten vier das Krankenhaus am Sonntag verlassen. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck leitete am Sonntag ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und Gemeingefährdung ein.

Auch zwei Mütter, die ihre Töchter unter den Opfern entdeckt hatten, mussten mit Nervenzusammenbrüchen ebenfalls in die Klinik eingeliefert werden. Am Sonntag entzündeten Freunde der Getöteten Kerzen am Unglücksort. Am Vorabend hatten tausende Besucher der Snowboard-Show trotz der Tragödie noch stundenlang in der Innsbrucker Innenstadt gefeiert.

"Ich habe schon vor Jahren den Bau neuer und die Verbreiterung der bestehenden Ausgänge verlangt. Außerdem habe ich den Bau eines Fußgängertunnels hinunter in die Stadt angeregt. Die Vorschläge verschwanden in den Schubladen", monierte ein ehemaliger Rotkreuz-Einsatzleiter im ORF. Innsbrucks Bürgermeister Herwig van Staa will eine Verbesserung der Fluchtwege prüfen lassen.

Bereits Stunden vor dem Unglück sei er wegen der vielen schwer alkoholisierten Jugendlichen besorgt gewesen, sagte der Innsbrucker Bürgermeister Herwig van Staa. Der Verwaltungschef der Tiroler Landeshauptstadt, der nach einem Besuch des Events mit seiner Tochter das Stadion wegen eines anderen Termins vor der Katastrophe verlassen hatte, nannte Vorwürfe wegen des angeblich hohen Alkoholkonsums bei der Snowboard-Konkurrenz unberechtigt. "Den Zuschauern wurden mitgebrachte Alkoholika am Eingang abgenommen. Im Stadion gab es nur Bier und Glühwein", so van Staa. Auch die Polizei sprach von einer "tragischen Verkettung unglücklicher Umstände". Die Veranstaltung selbst sei friedlich abgelaufen, hieß es.

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