Fünf Herausforderungen für die katholische Kirche : Der Papst auf den Philippinen

Der Einfluss der katholischen Kirche auf Politik und Gesellschaft in den Philippinen ist enorm. Noch. Die starre Haltung zu Scheidung, Abtreibung, Empfängnisverhütung befremdet immer mehr Leute.

Papst Franziskus fährt mit seinem "Papstmobil" durch die Straßen der philippinischen Hauptstadt Manila.
Papst Franziskus fährt mit seinem "Papstmobil" durch die Straßen der philippinischen Hauptstadt Manila.Foto: dpa

Die katholische Kirche ist mit den spanischen Eroberern auf die Philippinen gekommen. Sie schlugen 1521 auf der Insel Cebu das erste Kreuz ein. Heute sind gut 80 der knapp 100 Millionen Philippiner Katholiken. Papst Franziskus darf bei seinem Besuch diese Woche mit Begeisterungsstürmen rechnen. Aber der jahrzehntelang erhebliche Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft bröckelt. Fünf Herausforderungen, mit denen die katholische Kirche konfrontiert ist:

EMPFÄNGNISVERHÜTUNG: 

Künstliche Empfängnisverhütung verurteilt die Kirche weltweit, die Philippinen sind aber eines der wenigen Länder, in denen sie jede Debatte darüber jahrzehntelang verhinderte. So etwas fördere die Promiskuität und schwäche die Moral, sagt die Kirche - aber immer weniger Leute hören hin. 14 Jahre verhinderte sie Pläne, angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums in dem bitterarmen Land Kondome und die Pille kostenlos zu verteilen. Erst 2012 wurde ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, 2014 schmetterte das oberste Gericht den letzten Einspruch der Kirche ab.

SCHEIDUNG:

Die Philippinen gehören zu den letzten Ländern der Welt, in denen die Scheidung verboten ist. Die Kirche hat bislang alle Versuche zur Gesetzesänderung erfolgreich unterbunden. Das schwäche Familienbande und verletze die Heiligkeit der Ehe, argumentiert sie. Aber der Druck wächst. Immer mehr Paare trennen sich und leben nun ohne Trauschein mit neuen Partnern zusammen. Dem Parlament liegt schon ein neuer Gesetzentwurf vor, der Scheidung endlich möglich machen soll.

ABTREIBUNG: 

Schwangerschaftsabbruch ist verboten, auch bei Gefahr für das Leben der Mutter. Experten schätzen, dass in Hinterhof-Kliniken im Jahr trotzdem eine halbe Million Abtreibungen durchgeführt werden. Es gibt keine Statistiken, aber Aktivisten sagen, gerade junge Mädchen trügen bleibende Schäden davon. Sie fordern, dass Abtreibungen zumindest erlaubt sein sollten, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Die Kirche ist kategorisch dagegen und stößt mit ihrer Kompromisslosigkeit auf immer mehr Unverständnis.

POLITISCHER EINFLUSS:

Jahrzehntelang hat die katholische Kirche die Politik mitbestimmt. Wen sie von der Kanzel unterstützte, der gewann meist auch. Kandidaten buhlten stets um die Gunst der Kleriker. Kardinal Jaime Lachica Sin rief zum gewaltlosen Widerstand gegen Diktator Marcos auf und löste damit die erfolgreiche Volksrevolution 1986 aus. Seitdem schwindet der Einfluss der Kirche aber. Immer mehr Menschen finden deren Einstellung zu Empfängnisverhütung und Scheidung unzeitgemäß. Ein bischöflicher Schulterschlag garantiert keinem Politiker mehr den Wahlsieg.

KORRUPTION:

Obwohl ein Drittel der Philippiner bitterarm ist, zeigen sich Bischöfe und Priester in Luxusautos und Nobelrestaurants. Aktivisten werfen ihnen vor, sich von Politikern und Geschäftsleuten im Gegenzug für Fürsprache aushalten zu lassen. Die Kirchenleitung mahnt immer wieder, dass ein solches Verhalten das Vertrauen in die Kirche erschüttert. (dpa)

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