• Fünfter Prozesstag: Protokoll eines Massenmords: Breivik hat sich "entmenschlicht"

Fünfter Prozesstag : Protokoll eines Massenmords: Breivik hat sich "entmenschlicht"

Das Massaker von Utøya schockte Norwegen und die Welt. Nun berichtet Attentäter Breivik vor Gericht von jedem Mord. Um das durchzustehen, habe er sich „entmenschlicht“ - und sei deshalb zurechnungsfähig.

Breivik ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Auch am kommenden Montag soll er noch einmal befragt werden.
Breivik ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Auch am kommenden Montag soll er noch einmal befragt werden.Foto: dapd

Es war einer der härtesten Tage im Osloer Terrorprozess: Äußerlich vollkommen ungerührt hat der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik am Freitag seinen Massenmord auf der Fjordinsel Utøya beschrieben. Er berichtete von jedem Opfer, an das er sich erinnerte. Um die Attentate mit 77 Toten durchzustehen, habe er sich emotional total abgekapselt, sagte er. Deswegen sei er jetzt auch zurechnungsfähig.

„Man muss gefühlsmäßig abgestumpft sein, das muss man trainieren“, erklärte Breivik. Bis 2006 sei er ein normaler Mensch gewesen. Danach habe er sich über mehrere Jahre „entmenschlicht“ und alle Emotionen abgelegt. „Ich fühle eine große Liebe für dieses Land. Das ist nicht normal, aber so bin ich.“ Mord für Mord erklärte er vor Gericht, wie er auf Utøya 69 Jugendliche und Erwachsene erschossen hatte. „Jetzt oder nie“, habe er sich gedacht, als er als Polizist verkleidet auf der Insel gestanden habe. Als erstes habe er die Betreuerin des Ferienlagers getötet. Danach sei er in einen Schockzustand gefallen und erinnere sich an wenig.

Dennoch berichtete Breivik detailliert und distanziert von weiteren Morden. Er habe so viele Menschen hinrichten wollen wie möglich. Viele Angehörige hatten im Gerichtssaal die Augen geschlossen, die Hand vor den Mund geschlagen, blieben jedoch im Raum, um Breivik weiter zuzuhören.

Bilder aus dem Gericht:

Rechtsextremer Attentäter Anders Behring Breivik vor Gericht
24. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung ausgesprochen.Weitere Bilder anzeigen
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24.08.2012 22:1224. August 2012, das Urteil: Anders Breivik bekommt die Höchststrafe von 21 Jahren Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung...

Er habe nach seinem Massaker kurz an Selbstmord gedacht, berichtete der 33-Jährige. Er habe überlegt, sich selbst in den Kopf zu schießen, dies aber verworfen, um aus dem Gefängnis heraus weiter kämpfen zu können. Er habe sich telefonisch ergeben wollen, sei bei der Polizei aber nicht durchgekommen. Bei einem zweiten Anruf habe er sich nicht ernst genommen gefühlt. Daher habe er weiter gemordet.

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