Welt : Für Allah im All

Ein Malaysier unterwegs zur Raumstation ISS

Tim Klimeš

Berlin - 20 Seiten Lektüre und Muszaphar Shukor kann auch im All ein guter Muslim sein. Mit einem hochoffiziellen Papier aus den zuständigen Behörden seines Landes soll der Malaysier seinen Trip als Weltraumtourist ohne religiösen Schaden überstehen. Shukor, der eigentlich als Arzt an der Universitätsklinik in Kuala Lumpur arbeitet, startete am Mittwoch gemeinsam mit der US-Astronautin Peggy Whitson und dem Russen Juri Malentschenko vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan in Richtung der Internationalen Raumstation ISS. Whitson wird die neue Chefin an Bord der ISS und mit ihrem Kollegen Malentschenko bis zum Frühjahr 2008 als 16. Stammbesatzung in der Station bleiben. Shukor hingegen wird bereits am 21. Oktober nach einer Zwölftagesmission mit der alten Besatzung zurück zur Erde fliegen.

Der Weltraumaufenthalt fällt für den gläubigen Muslim Shukor in den islamischen Fastenmonat Ramadan. Deshalb werde er die Weltraumcrew der ISS zum Ende des religiösen Fastens mit traditionellen Plätzchen aus seiner Heimat bewirten, sagte er. Alle weiteren religiösen Regularien enthält das für ihn konzipierte 20-seitige Obrigkeitspapier. Dort liefern höchste malaysische Religionsführer Hinweise, wie der Entschwebte es schafft, trotz der erschwerten Bedingungen im All seinen religiösen Pflichten nachzukommen. So kann Shukor in seiner Gebrauchsanweisung nachlesen, wie er trotz Schwerelosigkeit eine angemessene Gebetshaltung findet. Exklusiv für Shukor wurden zudem die Bestimmungen des täglichen Betens gelockert. Da die ISS mehrmals pro Tag die Erde umkreist, müsste der Malaysier den traditionellen Regeln zufolge 80-mal am Tag beten – das wurde ihm erlassen. Die fünfmalige Wendung gen Mekka dürfte bei einer Erdumkreisung alle 90 Minuten schwer genug werden.

Kurz vor dem Start verkündete Shukor, er fühle sich großartig und könne es nicht erwarten abzuheben. „Es ist ein kleiner Schritt für mich, aber ein großer Schritt für das malaysische Volk“, sagte er in Anlehnung an den ehemaligen US-Astronauten Neil Armstrong, der mit ähnlichen Worten seine ersten Schritte auf dem Mond kommentierte.

Das Ticket für den Weltraumausflug hatte Muszaphar Shukor 2006 gelöst. Der Malaysier setzte sich damals gegen drei Mitbewerber um den begehrten Platz in der „Sojus“-Kapsel durch. Jedoch nicht ohne politische Hilfe, wie es in russischen Medien hieß. Ihren Debütflug ins All soll sich die malaysische Regierung als Tausch für einen Rüstungsdeal mit Russland gesichert haben, der Wert: 900 Millionen Dollar. Außer dem Einhalten von religiösen Riten will Shukor im Weltraum vor allem das Wachstum von Krebszellen in der Schwerelosigkeit erforschen – und dabei seinem Gott so nah sein wie noch nie. Tim Klimeš

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