• Für Entwarnung viel zu früh - Atommüll und andere Giftstoffe lagern nicht in Stahlbunkern

Welt : Für Entwarnung viel zu früh - Atommüll und andere Giftstoffe lagern nicht in Stahlbunkern

Elly Junghans

Trotz aller Beteuerungen der US-Behörden ist es nach Ansicht mancher Experten zu früh, wegen des Feuers rund um das Atomlabor von Los Alamos Entwarnung zu geben. Grund zur Beunruhigung sind weniger die 2,7 Tonnen Plutonium, die in feuerfesten Bunkern auf dem Gelände der Forschungsanlage im US-Bundesstaat New Mexico lagern. Gefährlicher wäre es, wenn Atommüllfässer oder andere Giftstoffe in Brand gerieten, die in zubetonierten Müllhalden oder Behelfscontainern aufbewahrt werden. "Es gibt dort eine Menge Zeug, das nicht in Stahlbunkern lagert und ein beträchtliches Risiko darstellt", sagte Robert Alvarez, ein ehemaliger Sicherheitsberater des US-Energieministeriums, der Zeitung "USA Today".

Das Atomlabor von Los Alamos erstreckt sich über 770 Hektar und ist in dutzende "technische Gebiete" aufgeteilt. Das Plutonium lagert in Gebiet 55, das nach Angaben der Behörden zunächst nicht vom Feuer bedroht war. Der Sondermüll lagert in Gebiet 54, das zunächst ebenfalls verschont wurde. Wie schwer die Behörden die Gefahr eines Brandes in Gebiet 54 einschätzten, zeigte sich schon allein darin, dass aus diesem Grund Tausende von Einwohnern des nahe gelegenen Vorortes White Rocks evakuiert wurden. Als Vorsichtsmaßnahme schickte das Energieministerium überdies ein Team von Radiologen nach Los Alamos. Erhöhte Radioaktivität oder andere giftige Gase seien bisher jedoch nicht gemessen worden, betonten Behördenvertreter.

Die Laborleitung setzte darauf, dass sich Maßnahmen auszahlen würden, die nach einem Waldbrand von 1996 getroffen wurden, der nahe an das Gelände herangekommen war. Mehr als tausend Tonnen brennbaren Materials wie Büsche und Unterholz seien in den vergangenen zwei Jahren entfernt worden, betonte ein Sprecher. Das Energieministerium ist sich der Brandgefahr in der Region bewusst: Es finanziert der Stadt Los Alamos eine ungewöhnlich große Feuerwehr mit 118 hauptamtlichen Feuerwehrleuten. Die Regierung müsse sich aber die Frage gefallen lassen, ob eine derart trockene Gegend mit hohem Brandrisiko der richtige Ort für eine Anlage wie Los Alamos sei, meint Arjun Makhijani vom unabhängigen Institut für Energie- und Umweltstudien.

Energieminister Bill Richardson schloss am Donnerstag aus, dass sich Diebe das Feuer zu Nutze machen könnten, um Baustoffe für Atomwaffen oder Geheiminformationen aus dem Labor zu entwenden. Wachleute und Nationalgardisten seien rund um die Uhr im Einsatz, um Vorräte und Daten zu schützen. "Wir haben keine Sorge, dass die nationale Sicherheit in irgendeiner Form durch jemanden gefährdet sein könnte, der das vom Feuer verursachte Durcheinander nutzt, um in die Anlage zu gelangen", betonte Labor-Sprecher Kevin Roark. Los Alamos hat ein Jahresbudget von 1,2 Milliarden Dollar.

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