Welt : Für jeden Toten eine weiße Kerze - bewegende Trauerfeier für die Opfer

Achim Hermes

In einer bewegenden Trauerfeier hat am Sonntagabend die Stadt Brühl Abschied von den Opfern des schweren Zugunglücks vor einer Woche genommen. An dem ökumenischen Gottesdienst, den der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der Vizepräses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sowie der Brühler griechisch-orthodoxe Netropolit Konstantin Miron gestalteten, nahmen auch Angehörige der Opfer, Verletzte sowie Anwohner der Bahnstrecke teil. Derweil flackerte auf dem Brühler Bahnhof ein einsames Grablicht im Wind, neben das Unbekannte einen Strauß Rosen gelegt hatten.

In seiner Predigt räumte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner die Schwierigkeiten auch der Theologen ein, den Angehörigen der Opfer das Leid zu erklären. "Nicht nur Techniker und Sicherheitsingenieure müssen Grenzen ihrer Kunst einräumen, sondern ganz offensichtlich wir Theologen ebenfalls", sagte Meisner. Vor Katastrophen wie der von Brühl und ihren Opfern zerplatzten die gelehrtesten Hypothesen und Erklärungsversuche "wie Seifenblasen", so der Kölner Erzbischof in der überfüllten Pfarrkirche St. Margareta vor rund 600 Trauergästen.

An dem Gottesdienst nahmen auch Bundespräsident Johannes Rau, seine Frau Christina und der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn und dessen Frau Helen teil. Unter den Trauergästen waren zudem Bundesverkehrsminister Reinhard Klimt (SPD), der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement (SPD) sowie der Chef der NRW-CDU, Jürgen Rüttgers. Viele Menschen verfolgten den Trauerakt auf einer Videoleinwand auf dem Marktplatz der Stadt.

In der mit weißen Blumen geschmückten Kirche brannten in Erinnerung an die acht Toten acht weiße Kerzen. Die Opfer im Alter von 28 bis 60 Jahren stammten aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. 150 Reisende waren verletzt worden. Der Nachtexpress D 203 war wegen viel zu hoher Geschwindigkeit an einer Weiche im Bahnhof von Brühl entgleist.

Meisner sagte, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ließen sich wohl Katastrophen dieser Art nicht gänzlich ausschließen. Mit dem erschütternden Ergebnis der menschlichen Begrenztheit seien in den vergangenen Tagen auch die Helfer konfrontiert worden, stellte der Erzbischof fest. Viele Feuerwehrleute und andere Retter waren in Uniform zum Gottesdienst gekommen.

Nach den Worten des Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, hat das Unglück die Schutzlosigkeit des Menschen bewiesen. "Unser Leben hat Risse", sagte der Vizepräses. "Wir sind zerbrechlich wie Tongefäße." Wir gefährdet das Leben sei, hätten die Verletzten ebenso gespürt wie die Anwohner der Bahnstrecke. Schneider: "In einen sehr intimen, durch Mauern geschützten Bereich ist die Lokomotive mit Macht eingebrochen."

Vor dem Gottesdienst sprachen Bundespräsident Johannes Rau und Brühls Bürgermeister Michael Kreuzberg den Verwandten und den Verletzten ihr Mitgefühl aus.

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