Welt : Für Raubkatzen wird es in Russland ungemütlich

Teile vom Tiger werden für 50 000 Mark als Potenzmittel nach China verkauft

Russlands größte Raubkatzen stehen alle im Roten Buch der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Nur der Luchs kommt noch in großer Zahl in Nordrussland und den Wäldern Sibiriens vor. Doch russische und internationale Tierschützer fürchten um das Überleben des Tigers, des fernöstlichen Leopards und des Irbis (Schneeleopards).

Die russischen Zöllner im Grenzabschnitt Fernost erklärten Anfang des Jahres, sie hätten 1999 Schmuggler unter anderem mit 202 Gallen vom Bär, 46 Bärentatzen und den Krallen von drei Tigern ertappt. Dabei ist klar, dass die Funde nur einen Bruchteil der tatsächlich gewilderten und geschmuggelten Tiere darstellen. Zoologen schätzen, dass die Zahl der frei lebenden Amur-Tiger in den letzten zehn Jahren von etwa 400 auf 250 gesunken ist. Den gestreiften Raubkatzen wurde das Ende des Kalten Krieges mit China zum Verhängnis. Seit die Grenze offener ist, lassen sich Teile vom Tiger als Potenz- und Arzneimittel in China für bis zu 50 000 Mark verkaufen. Wilderei und Schmuggel lohnen sich.

Außerdem wird der Rückzugsraum für den Tiger selbst in den dünn besiedelten russischen Gebieten am Chinesischen Meer zu eng. Ein ausgewachsenes Tier jagt auf einer Fläche zwischen 300 und 500 Quadratkilometern. Begegnungen des Tigers mit Hausvieh, Hunden und mit Menschen häufen sich. Es ist schon in Europa schwierig, Wölfe auszuwildern und den Bauern und Schäfern ihre Verluste zu ersetzen, damit sie nicht zur Selbsthilfe mit dem Gewehr greifen. Das verarmte Russland kann sich solche Kompensationen kaum leisten.

Für das Reservat Ternei bei Wladiwostok hat der Zoologe Jewgeni Smirnow eine erste Versicherung gegen Tigerschäden eingerichtet. Er erzählte dem russischen Nachrichtenmagazin "Itogi", wie ungläubig ein Bauer schaute, als er tatsächlich Geld für zwei seiner 50 Kühe bekommen sollte.In Ternei soll auch das dritte "Tiger-Krankenhaus" der Region entstehen, um verletzte oder verwaiste Tiere zu pflegen und anschließend in die Wildnis zu entlassen.

Doch während der Bestand des Tigers in Russland noch als halbwegs gesichert gilt, fürchten die Zoologen um die letzten 30 bis 40 Exemplare des Fernöstlichen Leoparden. Die absolut scheuen Katzen leben auf winzigem Raum im russischen Grenzdreieck zu China und Nordkorea. Eine genetisch einwandfreie Parallelpopulation in Zoos, die das Überleben der Art sichern könnte, gibt es bislang nicht.

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