Welt : Fürst Rainier III. ist tot

Nach langer Krankheit ist Fürst Rainier III. von Monaco am Mittwochmorgen gestorben. Der 81-Jährige litt an einer schweren Lungen-, Herz- und Nierenerkrankung. Er stand mehr als 55 Jahre an der Spitze der kleinsten Monarchie der Welt.

Monaco (06.04.2005, 15:27 Uhr) - Fürst Rainier III. war damit der dienstälteste Staatschef Europas. Seine drei Kinder Prinz Albert (47) und die Prinzessinnen Caroline (48) und Stefanie (40) hatten sich am Sterbelager des Fürsten abgewechselt.

«Fürst Rainier III. ist nicht mehr. Er wurde der Zuneigung der Seinen und seines Volkes entrissen», erklärte Staatsminister Patrick Leclercq. Nun wende man sich seinem Sohn, dem neuen Fürsten Albert II., zu. Der 47-jährige hatte am Donnerstag die Regentschaft übernommen, da sein Vater die Amtsgeschäfte nicht mehr wahrnehmen konnte.

Beim Geläut der Totenglocken versammelten sich am Morgen viele Monegassen auf den Straßen, um gemeinsam zu trauern. Viele Läden und Bars blieben geschlossen. Der Fußballclub AS Monaco sagte sein nächstes Heimspiel ab.

In den kommenden drei Tagen gehört Rainier nach inoffiziellen Angaben allein der Fürstenfamilie, die sich vollständig in Monaca versammelt hat. Auch Carolines Ehemann, der Welfenprinz Ernst August von Hannover, ist im Fürstentum. Das Welfenhaus plane keine eigene Trauerfeier für Rainier, hieß es.

Vom Montag an soll der Leichnam dann in der Palastkapelle öffentlich aufgebahrt werden. Der Termin für die Beisetzung in der Krypta der Kathedrale an der Seite von Fürstin Gracia Patricia steht noch nicht fest. Nach dem Unfalltod der einstigen Filmdiva im Jahr 1982 hatte Rainier nicht mehr geheiratet.

Obwohl er seit zehn Jahren an Herz- und Lungenerkrankungen litt, hielt Rainier das Zepter fest in der Hand, bis er am 7. März mit einer Lungenentzündung in die Klinik kam. Die vergangenen zwei Wochen wurde er auf der Intensivstation künstlich beatmet, auch Herz und Nieren mussten technisch unterstützt werden.

Glück und Trauer der Fürstenfamilie sind seit Jahren eine ewig sprudelnde Quelle für die Boulevard-Presse. «In diesem Dallas Europas ist immer etwas los», sagten Fotografen und Nachrichtenjäger. Rainiers «Traumhochzeit» mit der Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly am 18. April 1956 war ein Ereignis, das 30 Millionen Fernsehzuschauer in aller Welt verfolgten - ein Rekord für die damalige Zeit.

Der Unfalltod von Gracia Patricia beendete das Märchen vom Prinzen und dem schönen Leinwandstar. Schlagzeilen machten die Liebesgeschichten der Kinder Albert und Caroline, ebenso der tödliche Unfall von Carolines Mann Stefano Casiraghi. Rainiers jüngste Tochter Stephanie, wegen zahlreicher Liebesabenteuer ein besonderes Opfer der Paparazzi, nannte die Bilder-Jäger «eine Meute blutrünstiger Jagdhunde». Doch die Klatschgeschichten brachten Monaco Glamour - und Geld in die Kassen.

Als Rainier mit knapp 26 Jahren nach dem Tod seines Großvaters Fürst Louis II. am 9. Mai 1949 die Herrschaft antrat, war Monaco finanziell angeschlagen. Heute leben hier 20 000 Millionäre und im Yachthafen ist kein Platz mehr für eine noch so kleine Jolle. Persönlich überwachte Rainier den Ausbau des seit 1297 von den Grimaldis regierten «Felsens». Durch Aufschüttungen ins Meer wuchs die Fläche des Zwergstaats von 166 auf 200 Hektar. Weniger als 7700 der 32 000 Einwohner sind echte Monegassen. Die übrigen kommen aus 122 Staaten.

Vor drei Jahren hatte Rainier die Erbfolge vereinfacht. Nach wie vor haben aber Söhne Vorrang vor Töchtern. Kronprinz Albert (47) folgt dementsprechend Rainier auf den Thron. An zweiter Stelle kommt die ein Jahr ältere Prinzessin Caroline von Hannover. Dann folgen ihre Söhne Andrea und Pierre und ihre Tochter Charlotte aus erster Ehe sowie die fünfjährige Alexandra von Hannover. Erst an siebenter Stelle wäre Prinzessin Stéphanie von Monaco (40) an der Reihe, die drei Kinder hat (Louis, Pauline,Camille). Die Erbfolgegesetze sollen das Haus Grimaldi in Monaco an der Macht halten, ohne dass ein kinderloser Fürst Albert - wie nach den zuvor gültigen Bestimmungen notwendig - dafür einen seiner Neffen adoptieren müsste.

«Der souveräne Staat Monaco ist heute fester auf der Landkarte und im Bewusstsein verankert als je zuvor», sagte Leclercq. Rainiers Jetset-Paradies kennt weder Einkommens- noch Erbschaftssteuer. Monaco bietet den Reichen und Schönen der Welt Amüsement im Kasino, bei Formel-1-Rennen oder Tennis-Turnieren. Die Banken verwalten 360 000 Konten und gelten als Magnet für afrikanische Potentaten und russische Mafiosi. 1962 hatte Frankreich sogar eine Blockade über das Steuerfluchtparadies verhängt und vor ein paar Jahren stand Monaco zeitweise im Visier der OECD wegen Duldung der Geldwäsche.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte in einem Beileidsschreiben Rainiers Unternehmungsgeist, mit dem der Fürst «maßgeblichen Anteil an der Wandlung des Fürstentums in den letzten Jahrzehnten» gehabthabe. In der Französischen Republik wehten die Flaggen auf Halbmast. Präsident Jacques Chirac erklärte, Rainier habe «mit Kraft die Schicksalsgemeinschaft» des Fürstentums mit Frankreich verkörpert. Der Europarat ehrte Rainier als Freund und großen Staatsmann. (tso)

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